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Filmauswahl des Jahres 2025 von vier unserer Filmkritiker*innen – Film selection of the year 2025 by four of our film critics – Sélection de films de l’année 2025 par quatre de nos critiques de cinéma

{ Auch wenn j:mag viele Rubriken bietet, haben unsere treuen Leserinnen und Leser sicher bemerkt, dass dem Kino ein besonderer Platz eingeräumt wird. Wir haben drei unserer Filmkritiker sowie den Chefredaktor gebeten, ihre Lieblingsfilme des vergangenen Jahres zu nennen. Hier ist die Auswahl von Harald Ringel.

Die Auswahl Agnieszka Pilacińska (auf Englisch) und Malik Berkati (auf Französisch) finden Sie hier.
Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist unsere langjährige Mitarbeiterin und tragende Säule der Redaktion, Firouz Elisabeth Pillet, im Dezember dieses Jahres verstorben. Diese Tradition, die persönlichen Lieblingsfilme des Jahres auszuwählen, lag ihr sehr am Herzen. Da sie keine Zeit mehr hatte, diese Liste selbst zu erstellen, möchten wir Ihnen stattdessen einige Links zu Filmkritiken und Interviews ans Herz legen, von denen wir wissen, dass sie ihr besonders viel bedeuteten. Hier finden Sie all ihre Rezensionen und Interviews – hauptsächlich auf Französisch, aber auch auf Italienisch, Deutsch und Englisch.
Die Redaktion }

Film-Top-10-2025 – Meine persönlichen Favoriten des Jahres

2025 war ein sehr durchwachsenes Jahr, was den Film angeht. Ich hatte 25 Filme, die ich richtig gut fand, und sehr viel, was durchaus in Ordnung war. Aber es gab auch eine Menge wirklich schlechte Filme ( Him, Stromberg, Five nights at Freddys 2, …). Ich hätte in meiner Top 10 auch Filme bringen können, die praktisch jeder in seiner Bestenliste hat (Jafar Panahis Cannes-gewinner Ein einfacher Unfall, Köln 75, Das tiefste Blau,…), habe aber beschlossen, lieber die Filme zu nehmen, die nicht jeder hat.

— Tom Hiddleston – The Life of Chuck
© Neon

Meine Nummer 1 des Jahres ist eindeutig The Life of Chuck. Obwohl die Regie von Mike Flanagan, einem Fachmann für King-Verfilmungen, gedreht wurde und nach einer Kurzgeschichte des Horror-Königs Stephen King entstand, handelt es sich nicht um einen Horrorfilm. Die Mischung aus einem Endzeitfilm mit einer zutiefst menschlichen Geschichte und einer der schönsten Tanzszenen der Filmgeschichte zwischen Tom Hiddleston und Annelise Basso hinterlässt einen überrascht bis zum Schluss und ist von Anfang bis Ende ungewöhnlich und interessant erzählt, auch wenn einiges in Handlung und Ablauf nicht zusammenzupassen scheint. Loki-Darsteller Tom Hiddleston spielt das Ganze genial und Mark Hamill gibt hier eine tolle Altersrolle als Vater. Und wie so oft in letzter Zeit auch in kleinen Rollen mit lange nicht gesehenen Schauspielern wie Mia Sara (Ferris macht blau) als Mutter besetzt. Klasse.

Platz 2: Hildegard Knef: Ich will alles. Der Dokumentarfilm zum 100-jährigen Geburtstag der deutschen Schauspiel- und Gesangslegende Hildegard Knef ist der beste der Filme zum Jubiläumsjahr. Die Schweizer Regisseurin Luzia Schmid hat es geschafft, durch Talkshowausschnitte und Interviews Hildegard Knef ihr eigenes Leben sehr pointiert und wahrheitsgetreu erzählen zu lassen. Mit Filmausschnitten und Konzertbildern, Musikvideos, Bildern von Vorstellungen ihrer Bücher und Aussagen zu ihrer Krebserkrankung ergibt sich ein gutes Bild über eine der faszinierendsten Figuren der deutschen Kultur. Abgerundet wird dies mit Gesprächen mit ihrem letzten Mann Paul von Schell und ihrer Tochter Christina. Wenn man vorher noch kein Fan der 2002 verstorbenen Künstlerin war, ist man es nach dem Sehen des Films.

Platz 3: Hans Zimmer & Friends: Diamond In The Desert. Der beste Konzertfilm seit langem, gemischt mit inszenierten Videos und Interviews mit Wegbegleitern. Regisseur Paul Dugdale bietet erstklassigen Sound, wunderschöne Breitwandbilder und interessante Stimmen von Musikerkollegen, Regisseuren und Schauspielern, mit denen Zimmer zusammen gearbeitet hat. Und ein konzertantes Best-of aus Hans Zimmers besten Werken. Ein Film für Fans und Leute, die es werden wollen.

Heldin der Schweizer Autorin und Regisseurin Petra Volpe zeigt ein sehr realistisches Bild einer Pflegekraft in der Chirurgie eines Schweizer Krankenhauses. Der beste von vielen verschiedenen Filmen zum Thema Pflege punktet auch mit seiner Hauptdarstellerin Leonie Benesch.

Final Destination 6: Bloodlines von Zach Lipovsky und Adam B. Stein hat es geschafft, als 6. Teil einer Filmserie sein bislang bester Teil zu werden. Und das ist fast nie der Fall. Jeder Horrorfan wird hier zufrieden gestellt: Das Drehbuch ist ausgefeilt bis ins kleinste Detail und funktioniert richtig gut, die Effekte sind erstklassig und lassen auch beim Gorefaktor keine Wünsche offen.

Theoretisch auch ein Horrorfilm, aber eigentlich eine wirklich fiese und ultrablutige Psychostudie einer völlig durchgeknallten Mutter, deren Tochter gestorben ist, ist Bring Her Back von den Australiern Danny und Michael Phillipou (Talk To Me). Sally Hawkins, sonst eher aus Komödien oder sozialkritischen Filmen bekannt, ist hier die Mutter, die glaubt mit Hexerei ihrer Tochter wiedererwecken zu können. Und der Film lebt durch sie.

Der französisch-spanische Extremfilmer Oliver Laxe hat mit Sirāt seinen bisher stärksten Film vorgelegt. Denkt man in den ersten Minuten noch, das wird eine nervige Technodoku, wird man schnell eines Besseren belehrt. Ein Vater (Sergi Lopez) sucht zusammen mit seinem Sohn die verschwundene Tochter, die sie bei einem Technokonzert wähnen, in einem Land, wo gerade ein Krieg ausbricht. Doch es wird eine Reise in den Tod. Der Film erinnert in guten Teilen an den Klassiker Lohn der Angst von Henri Gerorges Clouzot bzw. seine Neuverfilmung von William Friedkin. Doch hier ist es noch böser und gnadenloser.

— Sirât von Oliver Laxe
© Pyramide Distribution

Sorda – Der Klang der Welt von Eva Libertad erzählt die wahre Geschichte der Schwester der Regisseurin. Die ist taubstumm und freut sich zunächst, als sie schwanger wird. Doch als das Kind normal hören kann, fühlt sie sich immer mehr aussen vor und überflüssig. Ein sehr menschlicher Film, der Probleme tauber Menschen fühlbar macht.

Secret Agent, der neue Film von Kleber Mendoca Filho ist gleichzeitig ein höchst unterhaltsamer Krimi, ein Abriss über Brasiliens faschistische Geschichte im letzten halben Jahrhundert und eine Tour de Force des Hauptdarstellers Wagner Moura. Gespickt mit Details und Geschichten, wie dem wiedererweckten Bein aus dem Magen eines Hais, das damals wirklich durch die Presse ging und der letzten Rolle des kürzlich verstorbenen Udo Kier. Klebers Filme waren immer stark, und dies ist sein Bester.

Die jüngste Tochter ist der vierte Regiefilm der französischen Schauspielerin Hafsia Herzi, immer stark in den verschiedensten Rollen als Schauspielerin, erzählt hier von der 17-jährigen Fatima, die mit ihrer Familie in den Banlieus wohnt. Als sie merkt, dass sie lesbisch ist, hat sie das Problem, dass sie nicht will, dass ihre Familie es weiss. Denn schliesslich ist Homosexualität im Islam verboten. Ein starker Film, in dem die Gewinnerin des Darstellerpreises in Cannes Nadia Melliti brilliert.

Harald Ringel

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Harald Ringel

Rédacteur / Reporter (basé/based Berlin)

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