Kinostart in Deutschland — Eingeschlossene Gesellschaft : Punkt oder nicht Punkt- Das ist hier die Frage

Ein normaler Freitagnachmittag in einem Lehrerzimmer eines deutschen Gymnasiums. Schon zu Beginn des Films wird klar, hier gibt es kein Miteinander zwischen den Lehrern, sondern es steht hier jeder gegen jeden. Klaus Engelhardt (Justus von Donáhnyi) mokiert sich über Sportlehrer Peter Mertens (Florian David Fitz), der mal wieder seinen Parkplatz okkupiert hat, obwohl der ihm als Dienstältestem schliesslich zusteht. Mertens wiederum ist schwanzgesteuert und redet sich selber ein, der beliebteste Lehrer bei den Schülern zu sein. Und bei Frau Lohmann (Anke Engelke) wird die Einstellung auch sofort klar. Sie hasst Schüler nicht, sie kann sie nur nicht ausstehen. Der Chemielehrer (Torben Kessler), der gerne Pornos guckt und sich sonst eigentlich nur für sein Wissensgebiet interessiert, hat sich bei allen unbeliebt gemacht, weil er für ein Handyverbot an der Schule gesorgt hat. Und der fünfte Lehrer (Thomas Loibl), der anfangs recht vernünftig rüberkommt, bespitzelt im Geheimen alle. Sara Schuster (Nilam Farooq), die neue Praktikantin, scheint die einzige zu sein, die sich tatsächlich um das Wohl der Schüler sorgt und dem Lehrauftrag menschlich gegenüber steht.

— Anke Engelke, Nilam Farooq, Florian David Fitz, Justus von Dohnányi, Torben Kessler, Thomas Loibl – Eingeschlossene Gesellschaft
© 2022 BantryBay Productions GmbH/Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion GmbH/Degeto Film GmbH

Als es klopft, wird diskutiert, ob man überhaupt aufmacht. Als man schliesslich öffnet, stürmt Martin Prohaska (Thorsten Merten)  in das Lehrerzimmer. Er verlangt, dass sofort eine Konferenz abgehalten wird, die seinem Sohn den einen fehlenden Punkt noch zuerkennt, der ihm fehlt, um zum Studium zugelassen zu werden. Und er zieht eine Pistole, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. Dort eingeschlossen, ruft das Kollegium mit einem bei einem Schüler konfiszierten Handy die Polizei. Doch dort glaubt man Ihnen nicht. Zu viele Streiche gingen gerade erst ein. Als Engelhardt zugibt, der Punkt fehlt nur, weil die Arbeit einige Minuten zu spät abgegeben wurde, aber ansonsten eigentlich in Ordnung war, beginnen Diskussionen. Doch er weigert sich den Punkt noch zu geben, schliesslich hat er seine felsenfesten Regeln. Danach eskalieren die Diskussionen, die sich weniger um den Punkt, sondern mehr um die Animositäten zwischen den Lehrern drehen, immer mehr.

Regisseur Sönke Wortmann ist  seit seinen ersten Filmen (Allein unter Frauen (1991), Kleine Haie (1992) und Der bewegte Mann (1995)) ein zuverlässiger Garant in der deutschen Komödie. Nach Abstechern in den Dokumentarfilm (seine Fussball-WM- Doku Deutschland- Ein Sommermärchen erreichte Zuschauermassen) liefert er in den letzten Jahren einen Komödienhit nach dem anderen.  Der Vorname und Contra gehörten zu den am meisten gesehensten Filmen der letzten Jahre, Der Nachname startet in Kürze. 2015 widmete er sich bereits einmal dem Thema Schule in Frau Müller muß weg. Obwohl auch dort Anke Engelke und Justus von Dohnanyi mitspielten, ist Eingeschlossene Gesellschaft keine Fortsetzung, sondern ein eigenständiger Film, der auf einem Hörspiel von Buch- und Drehbuchautor Jan Weiler basiert.

Wie in vielen seiner anderen Filme nimmt Wortmann auch hier ein ernstes Thema und benutzt dieses um eine satirisch-witzige Komödie zu erzählen. Auch hier ist die meiste Zeit eine begrenzte Anzahl von Figuren in einem abgeschlossenen Raum kammerspielartig am Reden. Seine Figuren sind durchaus realistisch, wenn auch in der Gesamtheit etwas klischeebehaftet. Aber seien wir mal ehrlich: hat nicht jeder von uns auch mindestens einige dieser Lehrertypen in der Schulzeit gehabt ? Und die Grundaussage, dass sich Lehrer nicht zu Göttern aufspielen sollten und Kindern damit die Zukunft verbauen, kann wohl jeder unterschreiben. Jeder der Lehrer ist ein anderer Typ Mensch, aber alle sind eigentlich Egoisten. Sympathisch sind hier nur die Praktikantin (aber auch Sie hat Schwächen – Affären nur mit verheirateten Männern) und der Vater, obwohl das mit der Geiselnahme natürlich nicht geht. Eine Schwäche ist allerdings die Darstellung der Polizei. Die sind völlig unrealistisch und zu sehr Klaumauk im Verhältnis zum Rest des Films.

Das ganz grosse Plus sind auch hier die Schauspieler. Es macht einfach Spass ihnen zuzusehen und alle spielen ihre Charaktere sehr glaubhaft. Sie haben nicht nur einschlägige Erfahrungen in der Filmgattung Komödie, sondern haben auch bereits einmal oder mehrfach mit Sönke Wortmann gedreht. Insgesamt ein guter Film für einen angenehmen Abend mit Witz und Niveau im Kino, wie man ihn in den momentanen Zeiten gut gebrauchen kann.

Von Sönke Wortmann; mit Florian David Fitz, Anke Engelke, Justus von Donáhnyi, Nilam Farooq, Thomas Loibl, Torben Kessler, Thorsten Merten; Deutschland; 2022.

Start ab 14.4.22

Harald Ringel

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