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Klara und die Sonne (Klara And The Sun) – Ein Roboter, menschlicher als viele Menschen

Taika Waititi, neuseeländischer Schauspieler und Regisseur, ist ein Garant in der  Filmwelt, wenn es darum geht, Erfolgsfilme zu machen, die viele Leute erfreuen. Waren es nach seiner Vampirkomödie 5 Zimmer, Küche, Bad und dem Kinderfilm Eagle vs. Shark vor allem grosse Produktionen wie zwei Thor-Filme aus dem Avengers-Universum oder die Nazi-Groteske Jojo Rabbit machte er nun einen Film nach einem Roman von Bestsellerautor Kazuo Ishiguro, der seit Jahren auf Englisch schreibt. Von Taika durch Zufall auf einem Flughafen gekauft, faszinierte ihn der Stoff sofort.

— Jenna Ortega – Klara und die Sonne
Bild mit freundlicher Genehmigung Sony

Während der Vorbereitungen merkte er bald, dass es nicht seine normale Art von Film werden würde. Steht bei ihm sonst meist das Witzige im Vordergrund – auch in seinen SciFi-Filmen, die teilweise ins leicht Klamaukige abrutschen –, ist hier durchaus das Dramatische tonangebend. Allerdings auch hier mit komischen Szenen und sozialen Fragen verquickt. Am ehesten noch vergleichbar mit seiner Geschichte in Next Goal Wins um den verloren scheinenden Fussballtrainer, der, um wieder in bekannteren Clubs engagiert zu werden, als Trainer bei einer völlig erfolglosen Inselmannschaft anheuert. Auch hier gab es viele ruhige Szenen. Gedreht wurde bereits 2024, aber es wurden immer wieder Dinge geändert und Waititi schneidet gerne sehr lange an Filmen, bis alles so ist, wie er es haben will.

Eine Stadt in der Zukunft, wo es durch nicht näher gezeigte Ursachen nichts mehr ist wie heute. Es ist eine Mischung aus Rückkehr in die Mitte des 20. Jahrhunderts und moderner Technologie. Menschen können durch Operationen genetisch verbessert werden und sind danach Könner in vielem. Auch Josie (Mia Tharia) ist so ein Mädchen. Ihre Mutter liess sie operieren. Dabei ging aber etwas schief. Ihr kleiner Bruder ist schon vor Jahren gestorben, und auch Josie ist dem Tode geweiht. Ihre Mutter (Amy Adams) ist immer noch nicht über den Tod ihres Jungen hinweggekommen. Da Josie zuhause unterrichtet wird und nur einen alten Freund hat, der ein pfiffiger Bastler ist, kauft ihre Mutter ihr, wie es bei den Gehobenen der Brauch ist, einen KF (künstlichen Freund).

Eigentlich will die Mutter ein ganz neues Robotermodell, aber Josie hat am Tag zuvor im Schaufenster des Ladens gegenüber, der nur alte Modelle führt, ihre Wunschfreundin gefunden. Und man kann sie ja auch wieder zurückschicken. So kommt Klara (Jenna Ortega) aufs Land, ins Haus von Josie. Sie freut sich über alles wie ein Kind, steht gerne auf einem Bein und muss sich bei allem erst mal kalibrieren. Und sie hält die Sonne für Gott, was Sinn macht, wird sie doch durch Sonnenenergie aufgeladen. Sie bildet sich ein, dass Gott/die Sonne in der Scheune des Nachbarn wohnt. Beide werden gute Freundinnen und Klara will sie schliesslich retten. Selbst wenn es ihr eigenes Leben kosten würde.

Ein wunderschöner, anrührender Film, bei dem man lacht und weint und der Fragen stellt: Kann eine KI lieben und Gefühle entwickeln? Kann ein Roboter der bessere Mensch sein? Und ganz nebenbei wird auch noch die Frage aufgeworfen, ob der Mensch versuchen sollte, sich künstlich zu verbessern. Und am Ende geht es auch noch darum, ob man Menschen kopieren sollte, nur um den Schmerz besser zu beherrschen. Aber war das Ganze vielleicht auch nur ein Traum eines netten Roboters in seinem Schaufenster, bevor er eingemottet wird? Jenna Ortega, die immer gut spielt, meist aber in widerspenstigen Rollen, wie z.B. Wednesday in der gleichnamigen Tim-Burton-Serie zur Addams Family, ist hier mal genau gegenteilig besetzt. Und spielt auch das mit Bravour. Auch die anderen Schauspieler liefern gut ab und am Ende gibt es auch noch Steve Buscemi in der Rolle eines Wissenschaftlers. Ein Film, bei dem alles stimmt.

Startet am 29. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.

Harald Ringel

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