The Professional – Retrospektive Michael Mann 11. bis 30. September 2020 im Kino Arsenal Berlin

Michael Mann ist wahrscheinlich einer der bekanntesten amerikanischen Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten, eher durch die Titel seiner Fernseh- und Filmarbeiten als durch seinen Namen: Wer hat in der Tat noch nie Miami Vice, Starsky & Hutch oder Collateral mit Tom Cruise gesehen – oder zumindest davon gehört?
Aber über diese populären und emblematischen Titel hinaus hat Michael Mann ein Werk in einem Genrekino-Stil geschaffen, der sinnliche Details (Geräusche und Musik, Rahmen und Perspektiven, Farben, Szenerien, …) bevorzugt. Diese Elemente sind in seinem Werk ein integraler Bestandteil der Dramaturgie und der Narrative, in der die Figuren aus einer mehrdimensionalen psychologischen Komplexität herausgeschnitten werden. Das Werk von Mann wird von vereitelten männlichen Schicksalen durchzogen, die auf die Mauern ihrer Realität stossen, die sie daran hindern, auf das Niveau ihrer Sehnsüchte aufzusteigen.

Aufgrund seiner intensiven Vorbereitung, akribischen Recherche und einem Hang zur Perfektion wurde Mann wiederholt mit Stanley Kubrick verglichen. Die Hingabe an ein professionelles Ethos ist denn auch ein zentrales Thema in Manns Werk. Die Definition von Menschen über ihre Arbeit, das Verhältnis von Arbeit und Moral, Arbeit und Männlichkeit sowie Einzelgängertum und Einsamkeit sind weitere wiederkehrende Motive

erklärt das Institut für Film und Videokunst.

Das Arsenal zeigt, begleitet von Einführungen, alle zwölf Kinofilme Michael Manns, die meistens in 35 mm, was es umso reizvoller macht, sie auf den grossen Leinwänden zu entdecken oder wieder zu sehen!

Heat (USA 1995 OmU 170‘ 35 mm) Fr, 11.9., 20h, Einführung: Verena Lueken & Do, 17.9., 19.30h

Der Film ist ein Remake von L.A. Takedown, ein Fernsehfilm von Michael Mann aus dem Jahr 1989. In Heat treten Robert De Niro (Neil McCauley, Anführer einer Bande professioneller Bankräuber) und Al Pacino (Vincent Hanna, ein unermüdlicher Polizeileutnant) in Los Angeles in einem atemberaubenden und gnadenlosen Duell gegeneinander an. Der Film ist die Charakterstudie zweier Männer, die wie ein Spiegelbild die Kehrseiten des Verbrechens bilden.

„Ich bin, was ich jage.“

Sagt Hanna.

Heat von Michael Mann (1995)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Arsenal – Institut für Film und Videokunst

The Jericho Miles (USA 1979 OF mit dt. und schwed. UT 97‘ 35 mm)  Sa, 12.9., 19h & Mo, 14.9., 20h

Dieser Film wurde für das Fernsehen gedreht, aber dank seines Erfolgs und der zahlreichen erhaltenen Preise wurde er in den Kinos vieler Länder gezeigt.
Larry „Rain“ Murphy (Peter Strauss) sitzt für die Tötung seines gewalttätigen Vaters eine lebenslängliche Haftstrafe ab. Im Gefängnis versucht er den rivalisierenden Gruppen aus dem Weg zu gehen und dreht einsam seine Laufrunden im Hof. Nach einer gestoppten Weltklasse-Zeit über die Meilendistanz will die Anstaltsleitung Murphy für die Teilnahme an den Olympischen Spielen anmelden.
Die 21-tägigen Dreharbeiten fanden im Gefängnis von Folsom in Kalifornien statt, wo neben 10 professionellen Schauspielern auch echte Gefangene zu sehen waren.

Thief (USA 1981 OmU 123‘ 35 mm ) Sa, 12.9., 21h & Fr, 25.9., 19h

Der Film ist eine Adaption von Frank Hohimers Roman The Home Invaders: Confessions of a Cat Burglar und der erste wirkliche Spielfilm des Regisseurs (The Jericho Miles ist, wie oben erwähnt, ursprünglich ein Fernsehfilm).
Juwelendieb Frank (James Caan) ist ein Profi, der mit seinen Partnern Barry (James Belushi) und Joseph Safes ausraubt. Als Gangsterboss Leo ihm eine millionenschwere Zusammenarbeit anbietet, zögert der Einzelgänger Frank, übernimmt aber schliesslich Auftragsarbeiten, um seine bürgerlichen Träume schneller verwirklichen zu können. Leo verschafft ihm ein Haus und ein Adoptivkind – und beginnt gleichzeitig, ihn auszubeuten. Bis Frank einen Rachefeldzug startet.
Auch wenn der Film in mancher Hinsicht etwas gealtert ist, ist die akribische Arbeit der Erzählung durch Bild- und Tongestaltung zur Vorbereitung und Durchführung des Einbruchs in der Eröffnungsszene des Films sensorisch aussergewöhnlich, erlaubt uns aber vor allem, direkt in den Mechanismus der Geschichte einzutreten. Ein Regie-Werk, das ein grosses Talent ankündigt.

The Last Of The Mohicans (USA 1992 OmU 112’ 35 mm)  So, 13.9., 18h & Di, 15.9., 20h

1757 ringen auf einem der verschiedenen Schauplätze des Siebenjährigen Krieges Engländer und Franzosen um die Herrschaft in Nordamerika. Im Mittelpunkt des Kolonialkriegsepos’, frei nach dem Roman von James Fenimore Cooper (1926), steht Hawkeye (Daniel Day-Lewis), weisser Adoptivsohn des Mohikanerhäuptlings Chingachcook. Zusammen mit seinem Halbbruder Uncas versucht er, die beiden entführten Töchter des britischen Offiziers Munro vor dem Huronenhäuptling Magua (Wes Studi) zu schützen, der Rache für den Tod seiner Familie geschworen hat.
Ein guter naturalistischer Actionfilm in Anlehnung an Kevin Kostners Dances with Wolves, der versucht, die amerikanische kulturelle Erzählung wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die native amerikanische Dimension wiederherzustellen.

The Last Of The Mohicans von Michael Mann (1992)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Arsenal – Institut für Film und Videokunst

The Keep (GB 1983 OF 96’ 35 mm) So, 13.9., 20h & Fr, 18.9., 19h

Ein Fantasy Horrorfilm, inspiriert von Francis Paul Wilsons gleichnamigem Buch, The Keep ist ein Film, der viele Rückschläge erlebt hat, von den endlosen Dreharbeiten zu technischen Zwischenfällen bis hin zum Tod von Wally Veevers, der für die Spezialeffekte verantwortlich war, und der Tortur eines jeden Filmemachers: zu sehen, wie sein Film von der Produktion ohne seine Zustimmung geschnitten und bearbeitet wurde!
1941 nimmt der Wehrmachtsoffizier Woermann (Jürgen Prochnow) zur Bewachung eines Passes mit seinen Soldaten Quartier in einer alten Festung in den Karpaten. Die Wände des pyramidenartigen Gemäuers scheinen eine mysteriöse unbekannte Macht zu bergen, die nachts auf grausame Weise Soldaten tötet. Als auf einer der Mauern eine Schrift in einer alten Sprache erscheint, lässt der SS-Offizier Kaempffer den Gelehrten Prof. Cuza aus dem KZ holen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

The Insider (USA 1999 OmU 157‘ 35 mm)  Mi, 16.9., 19.30h, Einführung: Peter Körte & Di, 22.9., 20h

Ein kinematografisches Meisterwerk, das von Anfang bis Ende von seinem Regisseur beherrscht wird. Das Aussergewöhnlichste an diesem Film und der Geschichte, die er erzählt, ist, dass über die eigentlichen Fakten, auf denen er basiert, hinaus, wenn es nicht die Form der Kleidung, die Frisuren, die Autos und die Grösse der Mobiltelefone gäbe, könnte dies heutzutage durchaus passieren! Es ist sowohl faszinierend als auch erschreckend zu sehen, wie die Welt, von der wir denken, dass sie sich ständig weiterentwickelt, sich immer wieder um sich selbst dreht und sich wiederholt. Das Einzige, was uns auf das Jahr 1999 zurückbringt, ist, wie eine Kollegin hervorgehoben hat, der Platz der Frauen und ihre sehr veraltete und stereotype Darstellung. Dieser 157-minütige polit-industrielle Thriller taucht uns vollständig in dieses Katz-und-Maus-Spiel ein, hält uns von Anfang bis Ende mit einer erzählerischen Intelligenz auf den Beinen, die zu Höchstleistungen anregt: In der Tat handelt der Film von zwei Charakteren, denen wir Schritt für Schritt folgen, ohne die Wendungen zu bemerken, die uns auf dem Weg des einen und dann des anderen führen.
Der ehemalige Forschungsleiter eines grossen Tabakkonzerns, Jeffrey Wigand (Russel Crowe), berichtet in einem Fernsehinterview mit dem Journalisten Lowell Bergman (Al Pacino), dass die Tabakindustrie ihre Zigaretten mit suchtverstärkenden Stoffen anreichert. Wigand ist daraufhin Psychoterror und direkter Bedrohung ausgesetzt, der Fernsehsender CBS lehnt die Ausstrahlung des Interviews wegen Gefährdung finanzieller Interessen ab und beurlaubt Bergman. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten über die Macht der grossen Konzerne und den Niedergang des unabhängigen Journalismus.

Mannhunter (USA 1986 OF mit dt. und schwed. UT 120‘ 35 mm) Fr, 18.9., 21h & Fr, 25.9., 21h

Nacheinander sind bei Vollmond zwei Familien grausam ermordet worden, außer Gebissabdrücken hat der Täter keine Spuren hinterlassen. Die ratlose Polizei bittet den ehemaligen FBI-Profiler Will Graham um Hilfe, der über die Gabe verfügt, sich in die Gedankenwelt psychopathischer Krimineller versetzen zu können. Graham hatte vor einigen Jahren den Serienkiller Hannibal Lecktor hinter Gitter gebracht, musste sich danach aber in psychiatrische Behandlung begeben und den Dienst quittieren.
Psychologischer Thriller, in dem die ästhetische Raffinesse beginnt, die stilistische Handschrift des Regisseurs durchzusetzen.

Ali (USA 2001 OF mit dt. und niederl. UT 157‘ 35 mm)  So, 20.9., 19h & Mi, 23.9., 20h

Der von einem spezifischen Beat geprägte, mit einem Sam-Cooke- Medley startende Film widmet sich den zehn ereignisreichen Jahren im Leben von Cassius Clay / Muhammad Ali (Will Smith) zwischen 1964 und 1974: erster Schwergewichtsweltmeistertitel durch den Sieg über Sonny Liston, Eintritt in die Nation of Islam, Gefährtenschaft von Malcolm X (Mario Van Peebles), Verweigerung des Kriegsdiensts in Vietnam („Ain’t got no quarrel with the Vietcong. No Vietcong ever called me nigger“), die daraus resultierende Aberkennung des Weltmeistertitels sowie der Entzug der Reisefreiheit, schliesslich die triumphale Rückeroberung des Titels im Kampf gegen George Foreman, dem „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa.

Ali von Michael Mann (2006)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Public Enemies (USA/Japan 2009 OmU 140‘ DCP) Mo, 21.9., 20h & So, 27.9., 18h

1933/34 halten John Dillinger (Johnny Depp) und seine Bande den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten durch Banküberfälle in Atem. J. Edgar Hoover nutzt die so bezeichnete „Crime Wave“ als Gelegenheit, die Bundespolizei gegen alle Widerstände aufzurüsten und die Fahndungsmethoden des von ihm geleiteten, neu geschaffenen FBI zu professionalisieren. Michael Mann interessiert sich in seinem mit hochauflösender Digitalkamera gedrehten Gangsterfilm für die Ursprünge des Pop- Mythos „Staatsfeind Nr. 1“ vor dem Hintergrund der grossen Depression und des Strukturwandels in den USA. Dillinger war die erste zum „public enemy“ erklärte Person – mit der ein Teil der Bevölkerung durchaus sympathisierte. Als sein Gegenspieler fungiert Hoovers Vertrauter Melvin Purvis (Christian Bale), der später Inspiration für die Comic-Figur Dick Tracy war.

Miami Vice (USA 2006 OmU 132’ 35 mm) Do, 24.9., 20h & Sa, 26.9., 21h

Nach dem Mord an zwei FBI-Agenten in Südflorida wird ein Maulwurf in den eigenen Reihen vermutet. Zwei verdeckte Ermittler aus Miami, Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) und James „Sonny“ Crockett (Colin Farrell), sollen die Morde aufklären und sich als vermeintliche Drogentransporteure in den engeren Kreis um den kolumbianischen Drogenbaron Arcángel de Jesús Montoya und dessen Gefährtin Isabella (Gong Li) einschmuggeln.
In Anlehnung an die Serie, deren Ausführender Produzent er 20 Jahre zuvor war, greift Michael Mann im Film Miami Vice eine der Episoden der ersten Staffel auf, deren Detektivgeschichte fast zweitrangig ist, so sehr wird der Schwerpunkt auf die zweiten Handlungsstränge der Geschichte gelegt – die sentimentale Handlung, die auf den klassischen Federn des Buddy Movie beruht: der psychologische Antagonismus der Protagonisten.

Collateral (USA 2004 OmU 120‘ 35 mm ) Sa, 26.9., 19h & Mi, 30.9., 20h, Einführung: Ulrich Kriest

Collateral – ausschliesslich Nachtaufnahmen für diesen HD-Pionier, der in fast allen seinen Filmen die Stadtlandschaft zu einer eigenständigen Figur macht, die in diesem Film ihren Paroxysmus erreicht.
Max (Jamie Foxx) arbeitet seit zwölf Jahren als Taxifahrer in Los Angeles und träumt vom eigenen Limousinen-Service. Sein Leben erfährt eine einschneidende Wendung, als ihm ein Fahrgast (Tom Cruise) 600 Dollar für seine Chauffeurdienste in der anbrechenden Nacht bietet. Bei der ersten angesteuerten Adresse wird Max klar, dass er es mit einem Profikiller zu tun hat, der, ortsunkundig, im Auftrag eines Drogenkartells in der Nacht vor der Gerichtsverhandlung die vier wichtigsten Zeugen und die Staatsanwältin ermorden soll. In ihrer wechselseitigen Abhängigkeit tauschen sich die beiden unterschiedlichen Charaktere im Taxi über existenzielle Fragen des Lebens aus.

Collateral von Michael Mann (2004)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Blackhat (USA 2015 OmU 133‘ DCP ) So, 27.9., 20.30h & Mo, 28.9., 20.30h

Durch die von einem „Blackhat“ eingeschleuste Malware kommt es in einem Atomkraftwerk in Hongkong zu einer schweren Explosion. Zeitgleich verübte Cyber-Anschläge in den USA scheitern. Chinesische Experten und FBI-Agenten fahnden nach dem Attentäter und stellen dem inhaftierten Meister-Hacker Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth) für seine Mitarbeit Straferlass in Aussicht.
Was könnte stimmiger sein, als mit diesem Film, der die technologische Entwicklung des Zeitalters der Cyberkriminalität verfolgt, den Kreis dieser unaufhörlichen Darstellung krimineller Netzwerke und der dünnen Verbindungen zwischen Gut und Böse, zwischen denen, die im Dunkeln handeln – ” die Bösen ” genauso wie die ” die Guten ” – zu schliessen?

Malik Berkati

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