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Berlinale 2026 – Special: Monster Pabrik Rambut (Sleep No More) – Vielschichtiger Ausflug ins Horrorgenre des Indonesiers Edwin

Der indonesische Regisseur Edwin macht seit vielen Jahren interessante Filme. Doch ausser seinem Berlinale-Wettbewerb-Film Die Nacht der Giraffe von 2012, der bei uns auch im Kino lief, blieb er hierzulande eher ein Unbekannter. Seine frühen Filme waren hier nur selten zu sehen; sein letzter, eine grössere Produktion (Vengeance Is Mine, All Others Pay Cash von 2024) war bei uns leider auch noch nicht zu sehen. Einen Horrorfilm hat er aber bisher noch nie gedreht. Aber das merkt man seinem neuen Film nicht an. Wenn man nicht wissen würde, dass Edwin Indonesier ist, würde man denken, dass es sich um einen japanischen Horrorfilm handelt. Schwarze Wallehaare, sonst typisch für japanische Geister- und Dämonenfilme, sind auch hier ein Merkmal für das Auftreten der Dämonen.

— Rachel Amanda und Sal Priadi – Monster Pabrik Rambut (Sleep No More)
© Palari Films 2026

Putri (Rachel Amanda) kommt in die Fabrik, wo ihre Mutter gearbeitet hat. Die hatte angeblich einen Unfall und ist verstorben. Wollte sie eigentlich nur die Habseligkeiten ihrer Mutter abholen, muss sie nun bleiben und mit ihrer Schwester die Schulden ihrer Mutter begleichen. Und ihre Schwester Ida (Lutesha) ist sich sicher, dass der Tod der Mutter kein Unfall war. Gab es auch schon vorher in der Perückenfabrik seltsame Todesfälle und Selbstmorde. Glaubt ihr Putri anfangs noch nicht, spürt sie in der Unterkunft plötzlich die unheimliche Anwesenheit von etwas Unsichtbarem. Und als eine Kollegin ihren Kopf plötzlich in das Gitter für das Haaretrennen stösst, glaubt sie ihrer Schwester. Doch die Fabrikbesitzerin (Didik Nini Thowok), von der man eher denken würde, dass sie ein Mann ist, bestreitet dies und behauptet, dass es nur an der Müdigkeit der Arbeiter liegt. Beide Mädchen versuchen nun das Rätsel zu lösen und entdecken, dass ein Dämon im Körper der Besitzerin wohnt und immer, wenn Arbeiter einschlafen oder zu viel arbeiten, diese angreift und sie zum Selbstmord oder zur Selbstverstümmelung treibt. Doch wie lässt sich der Dämon nun besiegen? Zugleich übt Edwin – wie kaum anders zu erwarten – mit seinem Film deutliche Kritik an der Ausbeutung von Arbeitern und den sozialen Missständen in den Fabriken. Schliesslich ist auch das eine reale Form von Horror, die auch ohne Dämon übel wäre.

Die Hauptdarsteller sind in Indonesien grosse Stars, Didik Nini Thowok ist vor allem als Star des klassischen indonesischen Tanzes bekannt. Wenn Edwin auch in Zukunft beim Horrorfilm bleiben sollte, hat er gute Chancen, mit Joko Anwar, dem grossen Regisseur des indonesischen Horrorfilms, der im Forum seinen neuen Film Ghost in The Cell zeigte, gleichzuziehen. Hoffentlich wird der Film bei uns noch einen Verleih finden.

Harald Ringel, Berlin

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Harald Ringel

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