13. ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin vom 20. – 26. April 2022 – von Somalia bis nach Marokko, vom Jemen bis nach Palästina

Seit 2009 verfügt Berlin über ein internationales Festival, das die Filme der arabischen Welt im weitesten Sinne präsentiert. Seit einigen Jahren sind die arabischen Filme den westlichen Zuschauer*innen vertraut, da die Präsenz ihrer Filmemacher auf den grossen internationalen Festivals stärker wahrgenommen wird – was ihnen die Türen zum Verleih öffnet – und die Koproduktionen mit europäischen Ländern zunehmen. Dennoch bleibt die Existenz von Festivals wie ALFILM wesentlich, da sie eine Plattform für Austausch, Diskussionen und Begegnungen bieten, die die Welt mehr denn je braucht.

Die drei Säulen des Festivals

ALFILM bietet über 44 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, die auf eine Reise von Somalia bis nach Marokko, vom Jemen bis nach Palästina mitnehmen und die Sehgewohnheiten bereichern. Ob cineastische Juwelen, politische Aufarbeitungen, Dramen, von der Gesellschaftssatire bis zum Thriller, von Chroniken, fiktional oder dokumentarisch, bis zur Liebesgeschichte – die Bandbreite ist auch in diesem Jahr wieder gross.

ALFILM Selection

Eröffnet wird ALFILM am 20. April 2022 im Kino Arsenal mit dem ägyptischen Beitrag Feathers von Omar El Zohairy.

Als auf einem Kindergeburtstag ein Zaubertrick schiefgeht, verwandelt sich ein autoritärer Familienvater in ein Huhn. Um das Überleben ohne den Patriarchen zu sichern, begibt sich die Familie auf ein tragisch-komisches Abenteuer der Selbstfindung. Der Film feierte seine Weltpremiere in der Semaine de la critique bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, wo er le Grand Prix gewann.

Viele der Filme der 2022 ALFILM Selection bieten einen kritischen, oft auch verstörenden Blick auf die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen ihrer Produktionsländer. In Filmen wie The Alleys, Europa, Feathers oder Streams (Mehdi Hmili, Tunesien/Frankreich/Luxemburg, 2021) werden die Konventionen des Thrillers, des Horrorfilms oder des Gangsterfilms genutzt, um die Ängste und Nöte zu beleuchten, mit denen die Protagonist*innen in den Gesellschaften, in denen sie leben oder in die sie ausgewandert sind, konfrontiert sind.

Zwei Kurzfilmprogramme ergänzen die 13. ALFILM Selection. Das erste widmet sich den Filmen arabischer Filmemacher*innen, die in der Diaspora leben, das zweite beleuchtet die Komplexität familiärer Bindungen.

Little Palestine – Diary of a Siege, Abdallah Al-Khatibs filmisches Tagebuch der brutalen Belagerung des palästinensischen Flüchtlingslagers Yarmouk durch das syrische Regime. Es ist zutiefst erschütternd. Kritik hier zu lesen (auf Französisch).

Little Palestine – Diary of a Siege von Abdallah Al-Khatib
Foto mit freundlicher Genehmigung ALFILM

AFLFIM Spotlight: Lebanon – From Civil War to Chaos: A Tribute to Filmic Resistance

Das Spotlight widmet sich dieses Jahr, unter der Schirmherrschaft von Volker Schlöndorff, dem Libanon, um auf die Missstände und die Krise im Libanon aufmerksam zu machen. Dies wird unter anderem die Gelegenheit bieten, Schlöndorffs Kultfilm Die Fälschung (1981) mit Bruno Ganz (wieder) zu sehen, gedreht in Beirut während des Bürgerkriegs!

Mit Blick auf den aktuellen finanziellen Zusammenbruch, mit dem der Libanon konfrontiert ist, beleuchtet das Spotlight das libanesische Kino vom Bürgerkrieg bis heute, um die filmischen Positionen in Bezug auf die Entwicklungen im Libanon nachzuzeichnen und die Ursprünge der Krise zu verstehen. Tatsächlich haben die Gründe für den libanesischen Finanzkollaps ihre Wurzeln im libanesischen Bürgerkrieg, der das Land tief und gewaltsam entlang religiöser Linien spaltete. Nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs übernahmen viele Kriegsherren, Führer der konfessionellen Parteien und Milizen, die den Krieg geführt hatten, die Macht und regieren das Land bis heute.

Zwei Podiumsdiskussion mit Filmemacher*innen aus dem Libanon und Vertreter*innen von ALFILMS Kooperationspartnern Beirut DC und die Cinematheque Beirut werden das Spotlight begleiten. Themen wie Die vielfältigen Rollen von Archiven sowie Filmemachen in Krisenzeiten werden analysiert und diskutiert und in einen gesellschaftspolitischen Kontext gebracht.
Eine Masterclass mit Regisseurin Eliane Raheb (Miguel’s war – 2021; Those Who Remain –2016,  – 2008) wird auch diese Sektion ergänzen. Die libanesische Regisseurin nutzt ihre Kindheitserinnerungen, um in ihren Dokumentarfilmen die Geschichte ihres Landes zu erzählen.

Am 21. April eröffnet der libanesische Film Memory Box, von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige, das ALFILM Spotlight. Die Kritik des Filmes hier zu lesen (auf Französisch).

ALFILM Atelier

Zwölf ausgewählte Filmemacher*innen der arabischen Diaspora erarbeiten gemeinsam mit Expert*innen beim zweitägigen Workshop Themen der Identität, Heimat, Zugehörigkeit, Filmsprache und Chancengleichheit (22.-23.04.).

Viele Filmvorführungen werden begleitet von Filmgesprächen mit eingeladenen Regisseur*innen, Schauspieler*innen oder Produzent*innen.

Das Gesamtprogramm : https://alfilm.berlin/program

Malik Berkati

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