Filmretrospektive Danièle Huillet und Jean-Marie Straub in der Akademie der Künste – Berlin

Im Rahmen der Ausstellung „Sagen Sie´s den Steinen“ (14.09. bis 19.11.2017) in der Akademie der Künste zeigt die vollständige, chronologisch angeordnete Retrospektive des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub. Filme, die in Berlin seit 27 Jahren nicht zu sehen waren, sowie viele, die hier noch nie gezeigt wurden. Das Programm beginnt am 15. Oktober in der Akademie der Künste am Hanseatenweg und wandert bis zum 5. November chronologisch durch die Kinos Brotfabrik (19. bis 23.10.), Zeughauskino (25.10. bis 3.11.) und fsk (4. und 5.11.).

Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, auf dem Balkon ihres Hauses in Rom, 1996
Foto © Antonia Weisse

Seit Anfang der 1960er Jahre haben die beiden Filmemacher Danièle Huillet und Jean-Marie Straub mit ihren Filmen für Furore gesorgt. Sie haben in annähernd 50 Jahren gemeinsamer Arbeit eines der einflussreichsten und zugleich kontroversesten Werke des modernen Kinos geschaffen. In dessen Eigenwilligkeit sahen einige in den 1960er Jahren den Beginn eines neuen deutschen Films, andere empörten sich über die vermeintliche Respektlosigkeit gegenüber der Tradition des Kinos.

Das Werk Huillet-Straubs umfasst mittlerweile fast 50 Filme, denen unter anderem Stoffe von Böll, Kafka, Hölderlin und Brecht zugrunde liegen. Die Filme transformieren und übersetzen nicht nur Text, auch Musik (Bach, Schönberg) und Malerei (Cézanne) sowie Wolken, Steine, Wind und Licht. Mit ihren Filmen wird das Kino zu einem Raum, in dem sich sinnlich und politisch etwas ereignet. Und der Film wird zum Mittel, die Gegenwart und die Konventionen des Kinos, seine Kommerzialisierung, grundlegend infrage zu stellen. Damit sind die Filme von Huillet-Straub hochaktuell.

Auszug aus einer Einführung in das Werk Danièle Huillets und Jean-Marie Straubs von Annett Busch und Tobias Hering, veröffentlicht im Journal der Künste 2/2017, Hrsg. Akademie der Künste, Berlin:

Im Akt des Widerstands, in seiner politischen wie physikalischen Bedeutung, findet sich ein elementarer und weitreichender Zugang zum Werk von Huillet/Straub auf so vielen verschiedenen Ebenen. Darin liegt immer auch die Verteidigung von etwas Bestehendem und zugleich die Behauptung einer Potenz, die Bedingung einer Möglichkeit, die erst noch erschaffen werden muss. Wogegen der Widerstand sich genau richtet? Und wofür er kämpft? Die Verweigerung der Homogenisierung, einer forcierten Glättung und Einebnung, fordert zugleich eine Fülle, eine Sinnlichkeit und Reichhaltigkeit eine undisziplinierte Lebendigkeit. In diesem Sinn wird Widerstand zur Lebenshaltung und Form, zur Antriebskraft, eine offene Form, eine Öffnung zu erarbeiten. Und so etwas gelingt nur mit Humor, Kreativität und Generosität, nicht mit störrischer Verbissenheit.

Die Haltung des Widerstands begründet sich bei Jean-Marie Straub auch in seiner Biografie. Er formuliert  zuerst und immer wieder Widerstand gegen Faschismus; Ende der 1950er Jahre führte dann die konkrete Kriegsdienstverweigerung, mit der französischen Armee am Algerienkrieg teil zunehmen, zur Flucht nach Deutschland und zum vorübergehenden Wohnsitz in München. Nach Machorka- Muff (1962) legen Jean-Marie Straub und Danièle Huillet mit Nicht versöhnt oder Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht (1964) dann einen zweiten Film vor, der in Deutschland und insbesondere in Berlin fast ausschließlich auf Ablehnung stößt. Während der Berlinale 1965 wird der Film auf Initiative von Enno Patalas und Frieda Grafe in einem Sonderprogramm gezeigt und provoziert Aversion bei den Zuschauern, vor allem aber bei der Kritik.

Das Filmprogramm wird ergänzt durch eine Auswahl von Filmen von Manfred Blank, Pedro Costa, Ted Fendt, Peter Nestler, Jean-Claude Rousseau, Rudolf Thome und Frans van de Staak. Diese Filme stehen für Freundschaften und ein gemeinsames Anliegen mit Huillet und Straub.

Sagen Sie’s den Steinen – Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
Filmretrospektive vom 15. Oktober bis 5. November 2017.

http://huilletstraub-berlin.net

Malik Berkati, Berlin

[Einen ausführlichen Artikeln finden Sie hier (auf Französisch)]

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