j:mag

lifestyle & responsible citizenship

Cinéma / KinoCulture / KulturRecit / Bericht

38. Internationalen Kurzfilmfestival Dresden – Von Dresden nach Cannes

Gwenola Heck ist die grosse Gewinnerin des 38. Internationalen Kurzfilmfestivals in Dresden. Die einstige Studentin der Filmakademie Ludwigsburg, die jetzt in Leipzig lebt, wurde für ihren Animationsfilm Gaïa mit dem Goldenen Reiter für den besten Kurzfilm im nationalen Wettbewerb ausgezeichnet, der mit 20.000 Euro dotiert ist. Ausserdem ist sie einer der fünf Short Tiger-Preisträger.

Gaïa von Gwenola Heck
Bild mit freundlicher Genehmigung
Filmfest Dresden

Der Short Tiger wird von German Films und der FFA vergeben. Er ist mit 5000 Euro dotiert. Die jungen Preisträger erhalten von der Kurzfilmagentur Hamburg einen Verleihvertrag. Ausserdem werden die fünf Filme im Rahmen des Programms „Short Tiger Next Generation“ auf einem Marktscreening auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt und Teil des Programms der von German Films weltweit organisierten Filmwochen. Die Filmemacher der zehn Titel werden in Cannes bei der internationalen Premiere dabei sein.

Folgen der KI-Anwendung bei der Verfremdung von Erinnerungen

Zu den Highlights des Programms zählen Eric Schmitts Brave New Past, in dem der renommierte Regisseur (Cleo), der bereits einmal den Short Tiger gewinnen konnte, drastisch die Möglichkeiten der Verfremdung von Erinnerungen durch die KI vor Augen führt. Er liess die KI mehr als 20 Fotos aus seiner Kindheit zu Schmalfilmstreifen hochrechnen, die täuschend echt wirken. Bis sich ein Schneemann bewegt oder Pinguine durch die Winterlandschaft laufen. Noch nie wurde dem Zuschauer so drastisch vor Augen geführt, welche Konsequenzen der Einsatz der KI haben kann.

Die Lachmuskeln strapazierte Olaf Helds und Jens Rosemanns Immerhin (At Least), ein typisches Independent-Projekt aus Chemnitz, an dem die Filmemacher mehr als zehn Jahre arbeiteten, wenn sie Zeit hatten. Heraus kam ein witziger Animationsfilm über das tödliche Zusammenspiel von menschlicher Schluderei und Ignoranz.

Budgetkürzungen durch die Stadt von zehn Prozent

Die Weltpremiere des Programms war zum sechsten Mal in Dresden zu Gast. Auf Grund der Kürzungen der Förderung durch die Stadt Dresden musste es Abstriche machen. Sie trafen nicht das Programm, das in gewohntem Umfang angeboten wurde und erneut um die 20.000 Zuschauer ins Kino zog. Die inklusiven Angebote wurden zurückgefahren, sogar die Tagesschau berichtete. Bei der Eröffnung und Abschluss-Gala, die wie immer gewohnt locker und witzig durch Jenni Zylka moderiert wurden, war kein Gebärdendolmetscher anwesend. Wenn dazu noch die Aufzüge in einem Kino ausser Betrieb sind, trifft es eine Bevölkerungsgruppe komplett.

Die Kürzungen im kulturellen Bereich durch die Landesregierung schlichen sich erneut in die Diskussion des Filmverbands Sachsen im Goethe-Institut. Ursprünglich wollte sie den Erhalt und den Aufbau der Filmkultur im ländlichen Raum als Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses und des Zusammenhalts diskutieren. Zwei engagierte Kinomacher gaben Einblick in ihren Alltag, und das Publikum beteiligte sich rege. Das Fazit ist erschreckend. Alle sind sich einig, dass das Kino als Diskursort in einer Demokratie gebraucht wird. Doch wenn es um das Geld geht, rutscht das Kino auf dem Land oft ins Ehrenamt.

Ländlicher Raum bleibt abgehängt

Die Bundesregierung richtet ihre Förderung auf die Produktion aus. Dort interessiert sich keiner dafür, wie der Film ins Kino gebracht wird oder ob Festivals stattfinden. Die klammen Kommunen müssen zunehmend sehen, dass sie überhaupt noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen können. Und zu allem Überfluss gehen viele Förderprogramme der Länder gerade am ländlichen Raum vorbei. Die Programmmacher können zum Beispiel gar nicht die strengen Regeln der Kinoprogrammpreise erfüllen, weil sie als einzige Anbieter aus dem grossen Hollywood-Kino präsentieren müssen.

Die Finanzierungsmisere trifft seit Jahrzehnten auch den Kurzfilm. Trotzdem ist er nicht nur an den Ausbildungsstätten quicklebendig, wie erneut die Mitteldeutsche Mediennacht als Leistungsschau der Region zeigte. Der Goldene Reiter im Mitteldeutschen Wettbewerb ging an Unbemerkt verstorben ( Unnoticed Death)  von Alina Cyranek. Das Publikum kürte Stefanie Schroeder Cold Call zum Gewinner.

DIAF (Deutsche Institut für Animationsfilm ) -Ausstellung in Technischen Sammlungen vor Schliessung

Traditionell widmet der Filmverband Sachsen seinen Empfang dem sorbischen Filmschaffen. Waren es früher eher Fernsehbeiträge, hat sich inzwischen auch eine eigene Filmszene entwickelt, die vom Musikfilm bis zum kurzen Spielfilm viele Genre abdeckt. Auf der Bühne wurde diskutiert, was einen sorbischen Film ausmacht.

Last but not least gewährt das DIAF im Rahmenprogramm stets einen Blick auf die Sonderausstellung, die in dieser Woche eröffnet wird. Sie ist dem Schaffen von Jörg Herrmann gewidmet, der den Scherenschnittfilm im DEFA-Studio für Trickfilme hochhielt. Die Schau läuft bis zum Oktober. Dann werden die Technischen Sammlungen für drei Jahre saniert. Die Sammlungen des DIAF müssen nicht ausziehen, aber auch die Dauerausstellung kann nicht gezeigt werden. Noch gibt es keinen Ausweichort für die Präsentation der Schätze.

Katharina Dockhorn, Dresden

j:mag Tous droits réservé

Katharina Dockhorn

Journaliste / Journalistin (basée/based Berlin)

Katharina Dockhorn has 9 posts and counting. See all posts by Katharina Dockhorn

Laisser un commentaire

Votre adresse e-mail ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *

*