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7. Ukrainian Film Festival Berlin – viele Dokumentarfilme und noch etwas mehr

Auch 2026 gab es wieder das ukrainische Filmfestival. An 6 Tagen wurden sieben Filme im Hauptprogramm gezeigt. Eröffnet wurde das Festival, das unter dem Motto Emergency Spaces stand, mit dem Dokumentarfilm von Olga Chernykh. 40 Filmemacher*innen drehten einen Bilderbogen über eine Nacht im Juli 2025 quer durch die Ukraine. Gezeigt wird das normale Leben, soweit es momentan noch möglich ist, an vielen verschiedenen Orten. Aber der Krieg bleibt immer im Hintergrund vorhanden. Ein gutes Bild eines Landes, am ehesten vergleichbar mit dem Projekt 48-Stunden Berlin, nur dass diese filmische Beobachtung keinen Krieg im Hintergrund hatte. Insgesamt waren diesmal vorrangig Dokumentarfilme zu sehen, wobei der Spielfilm doch etwas zu kurz kam. Mehrere Dokus waren Produktionen von Arte.

— The Illusion of a Quiet Night d’Olga Chernykh
Bild mit freundlicher Genehmigung Filmfest München

Stille Flut von Dmytro Sukholytkyi-Sobchuk porträtiert eine religiöse, pazifistische Glaubensgemeinschaft, die nach strengen Regeln lebt. So wird nur mit Holz gebaut, es gibt keine elektrischen Geräte, etc. Schon durch ständige Überschwemmungen gebeutelt, versuchen sie trotzdem, die Ukraine im Krieg zu unterstützen. Quäker im Kriegszustand sozusagen. Ein interessanter Film.

Der beste Film im Wettbewerb war Der stille Prometheus des Donbas des Fotografen Anton Shtuka. Der Film zeigt die Geschichte eines grossen Kraftwerks an der Front. Er zeigt den Mut der Arbeiter vor Ort, die unter Beschuss und Bombardierungen dafür sorgen, dass es noch Energie gibt. Der Film porträtiert mehrere Mitarbeiter und zeigt das Kraftwerk in seiner Geschichte von Baubeginn bis zur Abwicklung von heute. Stark.

Auch sehr stark: Wo alles verschwindet von Oleksandr Tkachenko zeigt einen Kameramann, der friedlich auf dem Land in einer alternativen Kommune lebt und dort sogar heiratet. Er zieht in den Krieg, um eine Art Kriegstagebuch zu schaffen. Doch das Geschehen und der Verlust vieler seiner Freunde im Krieg hinterlassen ihre Spuren für immer.

Die Gesegneten von Andrii Lysetzki zeigt ukrainische Künstler bei der Arbeit. So sammelt einer Kristallscherben in zerstörten Häusern, ein Zeichner malt einen Kriegscomic, andere sind anders tätig. Als einer der Künstlerfreunde einige Tage aus dem Krieg zurückkehrt, beginnt die Diskussion darüber, was Künstler unternehmen können, wenn es Krieg gibt. Interessant.

Traces (Spuren) von Alisa Kovalenko und Marysia Nikitiuk gewann bereits den Publikumspreis Dokumentarfilm bei der Berlinale. Der Film zeigt Frauen und ihre Aussagen zu ihren furchtbaren Erlebnissen mit sexueller Gewalt. Ist es meistens normal, dass darüber geschwiegen wird, weigern sich die Porträtierten, nichts zu sagen. So gibt es sehr detaillierte Aussagen zu Vergewaltigung und sexueller Demütigung. Unangenehm zu verfolgen, aber wichtig.

In Frag mich nicht, ob ich getötet habe begleitet Regisseurin Helena Maksyom eine Frau von normalen Tätigkeiten, über die Vorbereitung, an die Front zu müssen, bis zu ihren Einsätzen im Krieg. Nur eine Frage lässt sie sich nicht stellen: siehe Titel. Der Film lief als Schlussfilm.

Nur zwei Spielfilme liefen im Hauptprogramm:

Auf den Sieg ! von Valentyn Vasyanovych zeigt den Regisseur als sich selbst in einer nahen Zukunft nach dem Krieg. Er will einen neuen Film drehen, hat aber keine guten Ideen und Probleme mit seinem Sohn und seinem Vater. Sein Produzent und Freund kann ihm auch nicht wirklich helfen. Gescheitert, hofft er immer noch, dass alles besser wird. Ein Film mit viel Künstlerblähungen, aber nicht sehr aufregend.

Wirklich gut, aber recht frustrierend ist Camouflage von Mykyta Glibenko. Eine deutsche Produktion von einem ukrainisch stämmigen Regisseur. Ein junger Ukrainer will ein besseres Leben und geht nach München. Anfangs quasi auf der Strasse lebend kommt er bei einer Theaterkollegin unter. Seine Schwester und seine Mutter bleiben in der Ukraine. Die Schwester ist Musikerin und verliebt in eine Freundin. Als der russische Angriff beginnt, fliehen beide auch nach München. Auch bei seiner Freundin wohnend, gibt es immer mehr Probleme. Als die Freundin der Schwester im Krieg stirbt, dreht diese langsam durch. Werden sie in Deutschland bleiben oder gehen sie wieder zurück in die Heimat ?

Ergänzt wurde das Programm durch Stummfilme und Dokus zum Donbas, Horroranimationsfilme, massig Kurzfilme und zwei Erfolgsproduktionen: einen Dokumentarfilm über einen Musiker und Nu Mam ! Der Spielfilm von Oleh Borshchevskyi ist der ideale Film  zum Muttertag. In mehreren Geschichten gibt es in der Komödie viele verschiedene Mütter und ihre Probleme mit den Männern, Töchtern oder Söhnen. Das ist spassig anzusehen und zeigt, dass es auch noch ukrainische Filme gibt, die nichts mit dem Krieg zu tun haben. Davon hätte man sich auch einige andere Beispiele gewünscht. Gibt es schliesslich auch auf vielen anderen Festivals Filme, die eine grosse Bandbreite von Komödie über Krimi bis zu Horror bieten.

Hier die Kritik und das Interview auf Französisch von Malik Berkati zu The Illusion of a Quiet Night von Olga Chernykh lesen.

Harald Ringel

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Harald Ringel

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