Berlinale 2022 – Panorama : Cinco lobitos (Lullaby) – Ein Kind bleibt  immer ein Kind

Amaia (Laia Costa), erfolgreiche Dolmetscherin und ihr Mann Javi (Mikel Bustamente) erwarten ein Kind. Als das Kind da ist, beginnt es in der Beziehung zu kriseln. Javi ist Amaia keine grosse Hilfe. Sie kann kaum noch schlafen, er tut nicht viel. Und entgegen ersten Ankündigungen nimmt er wieder einen Job an, bei dem er reisen muss und Monate nicht zu Hause sein wird. Das traditionelle Rollenbild der Frau schlägt hier voll durch. Auch  der Besuch der Eltern bringt ihr nicht viel. Der Vater (Ramon Barea) hat beginnenden Alzheimer und die Mutter (Susi Sanchez) sieht alles anders als sie. Und das Verhältnis zwischen den Eltern ist auch alles andere als rosig: so hatte der Vater früher eine Geliebte und auch vieles andere liegt im Argen.

— Laia Costa, Mikel Bustamante und Ramón Barea – Cinco lobitos (Lullaby)
© Nicolás Jorge de Assas / Encanta Films, Sayaka Producciones, Buena Pinta Media

Trotzdem fährt sie zu ihren Eltern in einen kleinen Küstenort im Baskenland, als sie einfach nicht mehr kann. Sie erhofft Hilfe und ein bisschen Ruhe. Doch dann kommt alles anders: Ihre Mutter bricht in der Küche zusammen und als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird ist klar, dass sie an der nicht näher bezeichneten Krankheit sterben wird. Von nun an muss sich Amaia nicht nur um ihr Kind, sondern auch um Ihre Eltern kümmern. Von Javi, der nur kurz zu Besuch kommt ist weiterhin nichts zu erwarten. Er kündigt bereits seinen nächsten Reisejob an und eine Trennung steht im Raum. Auch die zukünftige Erbschaft und das Verbleiben des Vaters, dessen Alzheimer immer schlimmer wird müssen geregelt werden.

Die spanische aus dem Baskenland stammende Regisseurin Alauda Ruiz de Azua hat dem Film ihre eigene Schwangerschaft, Beziehung und das Leben ihrer Eltern zu Grunde gelegt. Der Film zeigt das Leben wie es in Millionen von Fällen ist. Steht am Anfang noch die Frage, was es braucht um eine Mutter zu sein, im Mittelpunkt, rückt bald das Bild, welches man von seinen Eltern hat ins Zentrum. Wie ändert eine eigene Mutterschaft das Bild, wie man seine Eltern sieht. Wann beginnt man über die Leute, die sich immer um einen gesorgt haben, nachzudenken. Im Laufe der Handlung merkt Amaia immer mehr, das ihre Mutter die gleichen Probleme wie sie hatte und das die Probleme der Eltern immer mehr zu ihren Eigenen werden. Man kann im Leben über das meiste selbst entscheiden, sei es die  Beziehung oder der Beruf, aber seine Familie, die Eltern oder das eigene Kind sind gegeben und bleiben für immer bestehen. Auch wird klar, wie stark eine Mutter noch vor ihrem eigenen Tod sein kann, wenn sie wie im Fall von Amaias Mutter noch alles regelt, damit sie weiss, das alles in Ordnung ist und ihre Tochter es nicht noch schwerer hat.

— Susi Sánchez und Laia Costa – Cinco lobitos (Lullaby)
© Nicolás Jorge de Assas / Encanta Films, Sayaka Producciones, Buena Pinta Media

Die Stärke des Films liegt neben dem sehr realitätsnahen Drehbuch vor allem bei den Schauspielern. Laia Costa, die 2015 im deutschen Spielfilm Victoria von Sebastian Schipper zu Bekanntheit kam, hat danach überraschenderweise in keinem deutschen Film mehr mitgespielt. Danach kam 2018 der niederländisch-englische film  Only you  von Harry Wootliff und zuletzt die spanische Serie Foodie love von Isabel Coixet. Nun also ein spanischer Film, in dem sie glaubwürdig voll überzeugen kann. Dem steht Susi Sanchez in der Rolle ihrer Mutter in nichts nach. Die vor allem durch Rollen in diversen Filmen von Pedro Almodovar bekannt gewordene Schauspielerin spielt bestimmt und real. Unterstrichen wird das ganze durch die gute Kameraarbeit von Jon D. Dominguez.

Von Alauda Ruiz de Azua; mit Laia Costa, Susi Sanchez, Ramon Barea, Mikel Bustamente; Spanien; 2022; 104 Minuten.

Harald Ringel, Berlin

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Harald Ringel

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