Festival de Télévision de Monte-Carlo : Auszeichnung für Olivia – Nymphe für den besten Schauspieler
Monte-Carlo ist ein gutes Pflaster für das deutsche Fernsehen. Beim 65. Jahrgang des renommierten Fernsehfilmfestivals im Fürstentum an der Côte d’Azur wurde Johannes Hegemann für seine grandiose Performance im ZDF-Fernsehfilm Olivia um Deutschlands bekannteste Dragqueen als bester Schauspieler von der Jury unter Präsidentin Leslie Manville geehrt.
Traditionell eröffnet das Regierungsoberhaupt im Grimaldi Forum das Wettrennen um die Goldene Nymphe. Prince Alber liess es sich nicht nehmen, mit einer der ersten Trophäen die britisch-französische Schauspielerin Kristin Scott Thomas für ihre Karriere zu ehren. Nach dem Willen ihrer Eltern sollte sie zunächst Theaterpädagogin werden. „Doch meine Dozenten fragten, ob ich im richtigen Kurs sei. Sie empfahlen mir, mich für das Schauspiel einzuschreiben. Also ging sie ging nach Paris, Anfang der 1980-er der aufregendste Platz der Welt für sie, um Schauspielerin zu werden.“
Erste Regiearbeit von Kristin Scott Thomas
Bei ihrem Treffen mit der Presse erinnerte sie sich auch an ihre ersten Schritte vor der Kamera, die sie beim Fernsehen unter anderem an der Seite von Anthony Hopkins machte. Und an ihren Dreh mit Prince 1983. Sie sei sehr aufgeregt gewesen, als eine Casting-Agentin anrief, der Sänger suche nach jungen Schauspielern und Schauspielerinnen für einen Auftritt. Da sie ein grosser Fan von ihm war, habe sie dem Termin mit ihm entgegengefiebert. Es sei dann sehr viel einfacher gewesen als gedacht, denn Prince erwies sich als nahbar und als Mensch wie jeder andere auch. Daher sei sie dann gerne ans Set nach Leeds gefahren.

Bild mit freundlicher Genehmigung des Festival de Télévision de Monte-Carlo
Kristin Scott Thomas sprach auch über ihre erste Regiearbeit My Mother’s Wedding, in der sie selbst neben Scarlett Johansson und Sienna Miller zu sehen ist. Die Geschichte sei inspiriert vom Schicksal ihren Eltern. Ihr Vater arbeitete als Pilot und kam bei einem Unfall ums Leben. Ihre Mutter heiratete erneut einen Piloten, der wieder ums Leben kam. „Ich wollte meine tragische Kindheit endlich hinter mir lassen, aber die Geschichte anders erzählen. Ich porträtiere drei Frauen, die alle dasselbe Ereignis erlebt haben, aber auf unterschiedliche Weise damit umgegangen sind.“
Bester Film aus Israel/Palästina
Scott Thomas beklagte, dass Frauen ab einem gewissen Alter in der Öffentlichkeit quasi unsichtbar werden. Eine Erfahrung, die Leslie Manville, dem Kinopublikum bestens bekannt aus ihrer Zusammenarbeit mit Mike Leigh, nicht teilt. Sie hätte nie Probleme gehabt, attraktive Rollen zu erhalten. Für die Serien und Filme des Wettbewerbs war sie voll des Lobs. Als besten Film zeichnete die Jury die aufrüttelnde israelisch-palästinensische Produktion Fadia von Shady Srour aus, die ein schreckliches Schicksal nachzeichnet. Im Namen der Familienehre beerdigt die konservativ-muslimische Familie al-Hawi ihre Tochter Fadia lebendig. Aus dem Grab wird sie von liberalen Nachbarn gerettet, die sie fortan in ihrem Haus verstecken.
Dänische Serie sucht deutschen Sender
Als beste Serie wurde der dänische Sechsteiler Uniformen ausgewählt, die bei der Ausstrahlung im Nachbarland Rekordzahlen erzielte. Die in bester Tradition skandinavischer Krimis und Thriller entstandene Serie rankt sich um einen Polizeischüler, der bei einem Einsatz einen aggressiven jungen Mann schwer verletzt. Die Ausbilder tun alles, um ihm in dieser belastenden Situation zu helfen. Die Produzenten von Miso Film und Regisseur Jonas Alexander Arnby hoffen, dass bald ein deutscher Sender die Hochglanzproduktion kauft.
Gomorrah – wie alle begann bereits in der Auswertung
In der Auswertung ist dagegen schon Gomorra – Le Origini bei HBO, in Monte Carlo wurde sie für ihre Kreativität geehrt. Die Serie führt ins Jahr 1977, als der skrupellose Gangsterboss Pietro noch einer von vielen Kids auf den Strassen von Neapel war, die der Armut entkommen wollen. Eine Chance sieht er im Einstieg in kriminelle Geschäfte des kleinen Unterweltprinzen Angelo. „Es ist ein -Drama in der Tradition von Shakespeare über Macht, Familie und Macht,“ räumt Riccardo Tozzi, Produzent und Chef der Produktionsfirma Cattleya ein, der beim Erstellen des Drehbuchs erneut Bestsellerautor Roberto Saviano und dessen Recherchen vertraute. „Wir wollten verstehen, wie Pietro zu diesem gnadenlosen, gefürchteten Boss der Unterwelt wurde, und entdeckten Aspekte, die wir uns nicht vorstellen konnten. Seine Umgebung war von Armut und Gewalt geprägt; trotzdem war es noch eine unschuldige, fast poetische Welt. Aber das Geschäft hat sich damals grundlegend verändert. Der lohnendere Schmuggel mit Drogen, insbesondere Heroin, trat an die Stelle des illegalen Verkaufs von Zigaretten. Die Kämpfe zwischen den Kriminellen wurden gewalttätiger. Diese zunächst schleichende Verschiebung beeinflusste auch die Stadt und ihre Bewohner.“
Selbst die Sprache, der für Norditaliener oft unverständliche neapolitanische Dialekt, habe sich grundlegend verändert, verrät Angelo-Darsteller Francesco Pellegrino bei unserem Treffen in Monte-Carlo. Die sechs Teile beginnen wesentlich farbenfroher, atmosphärisch leichter als die bisherigen fünf von Düsternis geprägten Staffeln. Das Leben scheint für die Fünf offen. Doch peu à peu verändert sich Pietro. Der Ton wird rauer, die Stimmung aufgeladen. „Ich will sein Abrutschen in die Kriminalität nicht verteidigen. Ich glaube daran, dass jeder Mensch eine Wahl hat. Aber es ist schwer, seiner Umgebung zu entkommen, wenn du so wie Pietro von falschem Ehrgeiz zerfressen bist, dass du die Gefahren ausblendest. Jede seiner Entscheidung hat enormes Gewicht,“ so Riccardo Tozzi. Er sei eine tickende Zeitbombe, ergänzt Pietro-Darsteller Luca Sabrano.
Eine zweite Staffel des Prequels gilt bereits als ausgemacht. Tozzi blickt indes auch in die Zukunft der Saga. Die Kinder aus den grossen Mafia-Familien Italiens hätten oft in den USA studiert. „Der Konflikt hat grosses erzählerisches Potential. Die Väter-Generation lebt noch auf der Strasse und praktiziert Gewalt. Ihre Nachkommen sind kultiviert, arbeiten im Finanzwesen und legen das Geld an. Sie sind anscheinend sauber, global orientiert. Kurz, zwei verschiedene anthropologische Typen von Menschen treffen aufeinander, und das Geschäft ändert sich erneut grundlegend.“
Ein ähnlicher Dauerbrenner ist Walking Dead, nach fünf Staffeln Kampf mit den Untoten geht es ab Ende Juli in den dritten Auflauf von Walking Dead: Dead City. Die ersten beiden Episoden der Fortsetzung des Franchise wurden in Anwesenheit der Stars Lauren Cohan und Jeffrey Dean Morgan zur Eröffnung des Festivals gezeigt. Die Überlebenden von Manhattan haben sich mit den Zombies arrangiert, Hauptfigur Megan will aber mehr als überleben. Mit Gleichgesinnten will sie die Stadt wieder aufbauen. Dafür muss sie nicht nur die versprengten Menschen finden und einen. Als viel schwieriger erweist sich, das Vertrauen untereinander wiederherzustellen.
Kurt Russell – ein Star für alle Altersklassen
Dem Abschluss verlieh dann Hollywood-Star Kurt Russell den notwendigen Glanz, ebenso mit einer Nymphe für sein Lebenswerk geehrt. Beim Treffen mit der Presse im Vorfeld verriet er, dass er sich besonders auf das Wiedersehen mit Prinz Albert freue. Momentan ist der beliebte Schauspieler, der seine Karriere als Kinderstar neben Elvis Presley begann, und stets das Risiko liebte. In zwei Serien zu sehen, die wie er selbst freue, ganz unterschiedliche Altersgruppen von Zuschauern ansprechen. The Madison, wo er neben Michelle Pfeiffer spielt, werde eher von Menschen über 40 gesehen.
Die Serie „Monarch: Legacy of Monsters spreche eher die Jüngeren an. Hier spielt Russell neben seinem Sohn Wyatt, beide verkörpern die gleiche Figur in unterschiedlichen Lebensabschnitten. „Ähnlich wie meine Tochter Kate Hudson und meine Frau Goldie Hwan haben wir einen ähnlichen Lebensweg hinter uns,“ verriet Russel mit sichtbarem Stolz. „Ich war Profi-Baseballspieler, er war Profi-Eishockeyspieler. Ich hatte schon mit zehn Jahren als Schauspieler angefangen, etwa 18 Jahre, bevor ich Football spielte. Bei ihm lief es andersherum. Er konzentrierte sich nur auf Eishockey. Wir haben ihn machen lassen. Ich habe ihn aber immer ermuntert, nach dieser Karriere über das Schauspiel nachzudenken.“ Offenbar hat es geklappt.
Katharina Dockhorn, Monte-Carlo
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