Abfallprodukte der Liebe – Die Akademie der Künste Berlin zeigt eine Ausstellung über Leben, Werk und Freundschaft dreier Künstler

Elfi Mikesch, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter sind die Themen der am 17. Mai eröffneten Ausstellung. Sehr bewusst wählte man den Tag, welcher dem Kampf gegen Homophobie gewidmet ist.

Die drei Künstler eint ihre teils freundschaftliche, teils amouröse, teils arbeitsbedingte Beziehung untereinander. Alle waren sie mindestens eine Zeitlang Teil der (West-)Berliner Subkultur, alle liebten, teils oder ausschließlich, gleichgeschlechtlich, alle waren sie Filmschaffende, wenngleich auch alle weit darüber hinaus künstlerisch tätig.

— Elfi Mikesch, Rosa von Praunheim, Werner Schroeter – Collage von Markus Tiarks aus Fotos von Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim
© Markus Tiarks

Erklärungsbedürftiger Titel

Abfallprodukte, das ist ein provokanter Titel für eine Ausstellung. Wer sich von solcher Ankündigung nicht abschrecken lässt, erfährt schnell den wahren Zusammenhang, dem das englische « by-product » sicher gerechter wird. Quelle der Namensgebung ist Werner Schroeters Film Poussières d’amour von 1996. Es sind also, schaut man ins französische Wörterbuch, feine Staubflocken, die da anlässlich holder Liebe durch den Raum wehen. Der Titel hat aber auch noch eine zweite Bedeutung, geht es den Kuratoren doch auch darum, den Blick auf die weniger bekannten Seiten des Schaffens der drei zu lenken. Auf Fotografien von Schroeter, die der Film- und Opernregisseur gemacht hat, auf die beruflichen Urspünge der Kamerafrau Mikesch und ihre ernährungspolitische Meinung, und auf das Gesamtkunstwerk, welches Rosa von Praunheim längst geworden ist.

— Filmstill aus Macumba (1983) von Elfi Mikesch – Darstellerin Magdalena Montezuma
Foto © Elfi Mikesch

Der Anspruch, letztlich eine Künstlerfreundschaft zeigen zu wollen, ist hoch und kann vielleicht am Ende nicht so ganz erfüllt werden. Sofern das doch gelingt, hat der Besucher bei seinem Rundgang die Aufgabe, sich die Beziehungen selbst zu erarbeiten. Zudem wartet das Programm mit einer Vielzahl von Filmvorführungen, Talks und Aktionen auf, die dem Interessenten Akribie abverlangen, aber diesen Anspruch letztlich erst einlösen können.

Drei Künstler – drei Raumatmosphären

Zuerst wandert man an Vitrinen mit Artefakten aus dem Leben der drei « Subjekte » dieser Expo vorbei. Der Schroeter Teil ist der konventionellste, ein hehrer Altar vor allem für seine Musen, die Schauspielerin Magdalena Montezuma und die Operndiva Maria Callas.

Elfi Mikesch baute in dem ihr gewidmeten Raum zwei Boxen, eine schwarze und eine weiße, die nicht nur Fotos aussen und Filmprojektionen innen zeigen, sondern symbolhaft für ihr Lebensthema stehen: es sind auch beide eine camara obscura, der einfache Ursprung jeder Fotografie, ein Kasten mit einem Loch, durch den das eindringt, was abgebildet werden wird. Für Mikesch ist jeder von uns eine camera obscura, Bilder aufnehmend während man durchs Leben geht und davon geprägt wird. Schon Christopher Isherwood befand ja « Ich bin eine Kamera ».

— Filmstill aus Rosas Welt: 70 Filme zum 70. Film 19 – Werner Schroeter (2012) von Rosa von Praunheim
Kamera: Elfi Mikesch
© Rosa von Praunheim

Zuletzt betritt man das Reich Rosa von Praunheims, bei dem zuerst Gefängnis-Stäbe und eine dringliche Warnung vor Penissen ins Auge fallen. Ersteres steht für seinen Geburtsort und gewiss auch für den ewigen Aktivismus, und nun ja, an männlichen Geschlechtsteilen mangelt es in seinem Teil der Ausstellung eindeutig nicht. Allerdings auch nicht an hemmungslosem Kitsch, der sich hie und da dem Vorwurf der Beliebigkeit aussetzen mag. Praunheim Fans werden auf die nie fehlende Selbstironie verweisen, und auf den Umstand, dass, was so gnadenlos überzogen daherkommt, einfach schon wieder gut sein muss.

Die Macher

Der Presserundgang am Vortag bot eine faszinierende Möglichkeit, die Akteure persönlich auf sich wirken zu lassen. Der 2010 verstorbene Schroeter war durch seine Biographin und den Komponisten Eberhard Kloke vertreten, dessen Klanginstallationen auch Teil der ausgesprochen multimedialen Ausstellung sind. Rosa von Praunheim liess es sich nicht nehmen, gewohnt unübersehbar in einem sehr theatralen Kostüm aufzutreten, ein kindisch-magischer Hexenmeister Mantel mit grossem Hut, seine Mitstreiter in ähnlichen, von einer Theater-Kostümbildnerin entworfenen Gewändern. Elfi Mikesch ganz und ausschliesslich in schwarz, zumindest in diesem Punkt dann doch konventionell. Zunächst sichtlich nervös, war es der Kamerafrau so sehr Anliegen, ihre Sichtweise und Lebens- wie Schaffenserfahrung einzubringen, dass sie sich richtiggehend frei sprach und immer flüssiger und ausführlicher Auskunft gab.

Poesie zum Schluss

Beim Verlassen der Ausstellung dann ein schöner Moment, als im Eingangsraum die französische Bühnenbildnerin Alberte Barsacq, Gestalterin des Werner Schroeter Teils, das riesige schwarze Becken voll roter Rosenblätter, den Blickfang, der den Besucher dort begrüsst, wieder behutsam in Ordnung bringt, nachdem es durch all die Leute vom Presse Tross reichlich durcheinander gekommen war. Wie sie ganz zärtlich mit einem Handbesen die Rosenblätter, zahllose Einzelteile des klassischsten aller Symbole der Liebe, wieder in Form bringt, da macht der Titel der Ausstellung urplötzlich und sehr überzeugend seinen Sinn.

Abfallprodukte der Liebe
Akademie der Künste, Berlin, Pariser Platz

18. Mai bis 12. August 2018, Dienstag bis Sonntag 11 – 19 Uhr, am 21. Mai zusätzlich geöffnet.
Eintritt 9 €, ermässigt 6 €, Dienstags ab 15 Uhr Eintritt frei.

Frank B. Halfar

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