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lifestyle & responsible citizenship

Auteur : Dieter Wieczorek

Cinéma / KinoCulture / Kultur

IFFR 2026 – White Lies von Alba Zari: Die Suche nach sich selbst im Spannungsfeld der Familie

Rainer Maria Rilke schrieb in seinem Brief an einen jungen Dichter die – hier den Untertitel nach zitierten – Zeilen:

„Sei geduldig mit allem, das ungelöst ist in Deinem Herzen…Suche nicht nach Antworten, die Du nicht erhalten kannst…Lebe nun die Frage und vielleicht wirst Du eines Tages in der Antwort leben.“

Mit diesen Zeilen eröffnet Alba Zaris ihren Dokumentarfilm White Lies. Der Film erschliesst Schritt für Schritt deren Sinn. Zaris Werk verknüpft in überzeugender Weise eine sehr persönliche Geschichte, ihre Suche nach ihrem Vater, mit einer weitaus umfassenderen Frage nach der Bedeutung der Familie für die eigene Identität. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Outliving Shakespeare von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan – Der Theaterraum als Revitalisierung und Konfrontation mit sich

Inna Sahakyas und Ruben Ghazaryans Werk Outliving Shakespeare beginnt mit einer Nahansicht auf gealterte Haut, es folgt das Gemälde, das den Schrei einer Frau zeigt. Wir treten ein in den Kosmos eines armenischen Altersheimes mit vielen Defekten. Bereits mit einem Rollstuhl durch die schmale Tür des Fahrstuhls zu gelangen, ist eine anstrengende Aufnahme. In anderen Räumen sind übereinander gehäufte Möbelstücke und Spinnweben zu sehen. Eine Fülle von Katzen durchstreifen das Haus, aber erstaunlicherweise findet sich auch ein Sprachroboter, der für ein Minimum an Kommunikation sorgt. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Active Vocabulary – Politische Indoktrination an Schulen im Vergleich

Yulia Lokshinas in Leipzig mit dem Hauptpreis der Deutschen Sektion preisgekrönte Dokumentarfilm Active Vocabulary beginnt in der Region Moskaus Mitte Februar 2022 mit einer Szene des aktiven Widerstandes einer kleinen Menschengruppe gegen die Rodung einer grossen geschützten Waldfläche. Besonders eine unter ihnen, eine Frau mit Plastiktüten an den Füssen, wirft den schlecht bezahlten Arbeitern, die offensichtlich aus entfernten Regionen stammen und kaum informiert sind, die Zerstörung ihres einheimischen Landes vor. Sie versucht, sie imaginieren zu lassen, es handele sich um ihr eigens Land. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Yanuni von Richard Ladkani – Fragile Rettungsversuche des Amazonas

Die Ureinwohner des Amazonas kämpften mit zunehmender Verzweiflung um die Erhaltung ihrer Lebensräume. Ihre Flüsse wurden mit Quecksilber tödlich verschmutzt, Bäume grossflächig abgeholzt, Landflächen auf unabsehbare Zeit unfruchtbar gemacht und die lokale Tierwelt dezimiert. Führerfiguren des Widerstandes wurden systematisch getötet. Die war die Situation in Brasilien unter der Führung Bolsonaros.
Mit der Wahl Luiz Inácio Lula da Silva zum Präsidenten Brasiliens am 4. August 2018 verknüpften die Ureinwohner grosse Hoffnungen. Hier setzt Richard Ladkani Dokumentarfilm Yanuni, präsentiert auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, mit seinem Schwerpunkt ein. Er folgt vor allem der seit 2016 aktiven ersten weiblichen Führerperson und Klimaschutzkämpferin Juma Xipaia, die bereits sechs Mal Opfer eines Attentatsversuches wurde. Ein persönliches Porträt formend folgt Ladkani seiner Protagonisten auch zu ihrem abgelegenen Heimatdorf, wo sie gerne weiter hätte leben wollen. Doch unter Lula wurde zum ersten Mal in der lateinamerikanischen Geschichte ein Ministerium für „Indigenous Rights“ gegründet, zu dessen ersten Sekretär sie berufen wurde, fern ihrer Heimat. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Mit Memory gelingt Vladlena Sandru der Versuch, Krieg erzähl – und ertragbar zu machen

Der in der diesjährigen Giornate degli Autori der Biennale Venedigs präsentierte Eröffnungsfilm Memory ist ein Werk, das Aussenseitertum, Migration, Angst und Überlebenskampf als Dauerzustand beschreibt… für Kinder.
Geboren 1982 auf der Krim, verbrachte die Filmemacherin Vladlena Sandru ihre ersten Lebensjahre auf diesem noch ukrainischen Territorium. Doch nach der Scheidung ihrer Eltern gelangt sie mit ihrer Mutter zu deren Eltern nach Grosny. Hier beginnt ihr Spiessrutenlauf zwischen aufbrechenden militärischen und häuslichen Konflikten. (…)

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Cinéma / KinoCulture / KulturMostra 2025

Werner Herzog schafft in Ghost Elephants ein erneutes Werk im Rahmen seiner transgressiven Anthropologie

Werner Herzog ist ein Filmemacher der Extreme. Um eine Wette mit dem Schicksal zu schließen, isst er auch schon einmal seinen Schuh, steigt auf ausbrechende Vulkane, um Menschen zu reffen, die wie er ihr Leben riskieren, oder erstellt sich Dokumente mit gefälschten Unterschriften von Diktatoren, um Dreherlaubnisse in deren Ländern vorzutäuschen. Seinen Studenten rät er, irgendeinen Job zu akzeptieren, und sei es im Schlachthaus, um in der Lage zu sein, einen wirklich unabhängigen, eigenwilligen und individuellen Film zu machen. (…)

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Cinéma / KinoCulture / KulturMostra 2025

Sotto le nuvole (Below the Clouds) von Gianfranco Rosi: Neapel – symbolischer Ort der ständigen Bedrohung alles Lebendigen

Gianfranco Rosi ist ein Dokumentarfilmer, der seine Werke erst am Drehort entstehen lässt. Zufällige Begegnungen und die notwendige Zeit für ein erst langsam sich entwickelndes Vertrauen seiner Protagonisten, bevor die Kamera läuft, sind die Basis seines Filmstiles. Auf diese Weise gelingt ihm das Einfangen von sonst kaum zugänglichen Situationen und Szenen. Sein Herkunftsland Italien stand im Zentrum seiner letzten beiden Werke. Sacro GRA (2013) präsentierte zumeist einfache Bürger der römischen Peripherie. Dieses Werk trug den Goldenen Löwen Venedigs 2013 davon, ein Meilenstein des Durchbruches für das Genre Dokumentarfilm. Die Migrationskrise, die auf der sizilianischen Insel Lampedusa die sichtbarsten Formen annimmt, war 2016 Thema seines Werkes Fire and Sea. (…)

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Cinéma / KinoCulture / KulturLocarno 2025

Locarno 2025 – Semaine de la critique: Flying Scent of Plants, People and Bumblebees von Antshi von Moos – Die Intelligenz der Pflanzen

Für Aristoteles stand der Mensch an der Spitze der Hierarchie des Lebens, während er Pflanzen als einfache Organismen definierte. Diese Fehleinschätzung wird hinreichend wahrscheinlich drei Jahrtausende später zur Selbstvernichtung des Homo sapiens führen, nachdem dieser schon Tausende andere Spezies von diesem Planeten ausgelöscht hatte. (…)

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Cinéma / KinoCulture / KulturLocarno 2025

Locarno 2025 – Semaine de la critique: Grünes Licht (Green Light) von Pavel Cuzuioc – Sich dem Tod stellen

Es mag eine Überraschung für viele sein, dass ein medizinisch assistierter Suizid in Deutschland legal ist. Sowohl die Möglichkeit, sich das eigene Leben zu nehmen, sowie dabei Hilfe von Dritten in Anspruch zu nehmen, ist seit dem Jahr 2000 hier ausdrücklich legitim. Der deutsche Neuropsychiater Dr. Johann Spittler ist ein frei praktizierender Vertreter dieses Rechts. Der in der Sektion  „Semaine de la Critique“ des Locarno Film Festivals gezeigte Dokumentarfilm Grünes Licht des moldauisch-österreichisch-rumänischen Regisseurs Pavel Cuzuioc begleitet den Hilfespendenden auf seinen Wegen zu sehr unterschiedlichen Hilfesuchenden. Seine Aufgabe ist, Gutachten zu erstellen, um den Leidenden die nötigen Mittel für ihren Todeswunsch zur Verfügung stellen zu können und in den letzten Phasen gegenwärtig zu sein, oder in anderen Fällen, unter Anwendung einer den Wunsch bestätigenden Videoaufzeichnung während der letzten Minuten das mortale Mittel selbst zu applizieren. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Karlovy Vary 2025: Les Enfants vont bien (Out of Love) von Nathan Ambrosioni – Das Aufbrechen eines emotionalen Vakuums

Entfremdungsprozesse vollziehen sich oftmals langsam, unscheinbar und unbemerkt. Das war auch der Fall bei den Schwestern Suzanne (Juliette Armanet) und Jeanne (Camille Cottin), die in einer Familie aufwuchsen, in der Herz- und Sinnlichkeit seitens ihrer Eltern nicht gerade grosszügig verteilt wurden. In dem Szenarium einer abwesenden Mutter und eines emotional distanzierten Vaters gab es keine wirklich auffälligen Zwischenfälle, Gewaltausbrüche oder aus nur elaborierten Spannungen. Vielmehr verging die Zeit in einer Art emotionalem Vakuum. Suzanne schien später ein normiertes Leben zu führen und wurde Mutter von zwei Kindern. Jeanne zog eine Einzelkarriere vor. (…)

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