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Berlinale 2026 – Special: Filme aus diversen Genres für die breitere Zuschauermenge

Wie in jedem Jahr war auch diesmal das Special die Sektion, die unter dem Motto Gala Filme bot, die einen hohen Unterhaltungswert haben und meist bekannte Schauspieler auf den roten Teppich bringen. Aber es gab auch unterhaltsamere Dokumentarfilme für ein grösseres Publikum und drei Mitternachtsfilme, bestehend aus zwei Horrorfilmen und einer Musikdokumentation. Abgerundet wurde dies durch sechs Serien.

— Juno Temple, Zazie Beetz, Michael Peña, Sam Rockwell, Haley Lu Richardson, Georgia Goodman und Asim Chaudhry – Good Luck, Have Fun, Don’t Die
© Constantin Film Distribution GmbH

Good Luck, Have Fun, Don’t Die vom Piraten der Karibik Regisseur Gore Verbinski war ein völlig durchgeknallter SciFi-Fantasyfilm, der sehr unterhaltsam war. In einem Diner in Los Angeles taucht ein Mann auf, der eher wie ein verrückter Obdachloser aussieht als ein Mann aus der Zukunft mit einer Mission zur Rettung der Welt. Er muss Helfer aussuchen, die es mit ihm schaffen sollen, zu einem neunjährigen genialen Videogamer vorzudringen und ihn davon abzuhalten, die Zukunft durch eine unkontrollierte Ki in den Abgrund zu führen. Dies tut der Mann schon zum mehr als hundertsten Mal und bisher hat es noch nie geklappt. Ein starker Film, vor allem weil er es schafft, dem Publikum klarzumachen, dass die Nutzung von KI in die Katastrophe führen kann und wie übel die süchtig machende Dauernutzung von Handys enden kann. Der Film startet am 12.3. in den deutschen Kinos.

Heysel 85 von Theodora Ana Mihai stellt die wahren Vorgänge bei der Katastrophe beim Fussball-Europacupfinale 1985 nach. Das Heysel-Stadion in Brüssel ist marode und dürfte eigentlich gar nicht genutzt werden. Der Bürgermeister ist mehr an seinem Whisky als an den Vorgängen interessiert und wälzt alles auf seine Tochter, die seine Presseagentin ist, ab. Es kommt zu Krawallen und Schlägereien zwischen englischen und italienischen Fans, die zu einem Mauereinsturz zwischen den Fanblöcken führen und schließlich 39 Tote fordern. Die Tochter ist zwischen Loyalität zu ihrem Vater und ihrer wirklichen Meinung hin- und hergerissen. Ein italienischer Reporter berichtet verzweifelt und ist auf der Suche nach seinem Sohn, der im Block war. Eine gute Nacherzählung, bei der am Ende die Frage steht, ob man das Spiel abbrechen sollte. Aber da ist ja viel Geld im Spiel.

Der Eröffnungsfilm in diesem Jahr war einer der besten seit Jahren. No Good Men der Afghanin Shahbanoo Sadat erzählt von Naru, einer Kamerafrau beim TV-Sender Kabul-TV, die unzufrieden mit dem ist, was sie machen darf. Nämlich nur unwichtiges Kleinzeug, wie Küchentipps. Sie ist überzeugt, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt, ist sie doch von ihrem furchtbaren Mann getrennt und lebt mit ihrem Kind alleine. Als ein Kameramann ausfällt und der Starreporter sie zu einem wichtigen Interview mitnimmt, beginnt sie ihre These in Frage zu stellen und ihn zu mögen. Ein Film, entwickelt vor der Rückkehr der Taliban, wurde in Berlin und Hamburg gedreht, was überraschenderweise überhaupt nicht auffällt. Auch die Regisseurin und ihre anderen Schauspieler leben inzwischen in Deutschland. Von vielen wurde kritisiert, dass durch diesen Eröffnungsfilm keine Stars zur Eröffnung auf dem Teppich waren, aber eigentlich sollte es um den Film gehen und auch Cannes eröffnete letztes Jahr mit einem kleinen französischen Film.

The Only Living Pickpocket in New York von Noah Segan erzählt von Harry (John Turturro), der trotz seines Alters immer noch erfolgreicher Taschendieb ist. Als er in ein Auto einbricht und dort auch einen USB-Stick stiehlt, sind ihm die Folgen nicht klar. Auf dem Stick befinden sich hohe Geldsummen einer Verbrecherorganisation. Durch eine Überwachungskamera enttarnt, wird er nun zum Gejagten. Wenn die Gangster nicht seine bewegungsunfähige Frau ermorden sollen, muss er den Stick innerhalb weniger Stunden wieder beschaffen. Doch das ist schwieriger als gedacht. Der schöne, aber auch traurige Film lebt völlig von seinem Hauptdarsteller John Turturro und ist in kleinen Rollen auch mit anderen New Yorker Stars wie Steve Buscemi und Giancarlo Esposito besetzt.

The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold war etwas merkwürdig im Festival, da er bereits in Venedig, Zürich und bei anderen Festivals gelaufen war. Eigentlich besteht man auf Welt- oder zumindest Europapremieren. Der Film berichtet über Ann Lee, die als Begründerin der religiösen sogenannten Shaker-Bewegung bekannt wurde. In England gegründet, ging sie mit Anhängern nach Amerika, um sich dort auszubreiten. Basierend auf geschlechtlicher und sozialer Gleichberechtigung, aber auch totalen Zölibat fordernd, konnte die Gruppierung keinen Fuss fassen. Dass die Handlung konsequent von einer Erzählstimme kommentiert wird, ist ebenso ungewöhnlich wie die Umsetzung als Musical mit Liedern und Tanzszenen. Mit 136 Minuten ist der Film etwas zu langatmig, hat aber in seiner erstklassigen Hauptdarstellerin einen grossen Pluspunkt. Der Film startet am 12.3. in Deutschland.

The Weight ist ein Abenteuer-Actionfilm im Stil vieler 80er-Jahre-Filme. Regisseur Padraic McKinleys Film, eine deutsch-amerikanische Produktion u.a. von der deutschen Schauspielerin Veronica Ferres, spielt in Oregon 1933 während der Weltwirtschaftskrise. Samuel Murphy (Ethan Hawke) wird unschuldig in ein Arbeitslager gesteckt und seine Tochter soll bald zur Adoption freigegeben werden. Als er sich im Lager als sehr schlau erweist, wird er vom Lagerchef (Russell Crowe) ausgewählt, Gold aus einem anderen Lager wegzuschaffen bzw. für beide Lagerchefs zu stehlen. Dann soll er freigelassen werden und seine Tochter wiederbekommen. Er lässt sich darauf ein und hat einer Menge Widrigkeiten, wie Leuten, die das Gold stehlen wollen, zu widerstehen. Ein klassischer Abenteuerfilm, sogar mit Happy End.

— Birgit Minichmayr und Isabelle Huppert – Die Blutgräfin
© Amour Fou Vienna, Amour Fou Luxembourg, Heimatfilm, Ulrike Ottinger Filmproduktion / P. Domenigg

Der grosse Hit im Programm war Ulrike Ottingers Ausflug ins Gefilde der Horrorkomödie Die Blutgräfin. Die Regisseurin, sonst bekannt für ihre feministischen Kunstfilme und lange Dokumentationen, vermischt hier ihren sofort erkennbaren Stil mit einer sehr witzig unterhaltsamen Geschichte im Stil von Filmen wie Tanz der Vampire oder Lady Dracula. Und das gelingt ihr richtig gut. Gräfin Barthory (Isabelle Huppert, die unbedingt mal mit Ulrike Ottinger drehen wollte, teilweise in Deutsch sprechend) und ihre in Wien wiedergefundene Zofe (Birgit Minichmeyer) brauchen blutige Nahrung und wollen ein seit Jahrhunderten verstecktes Buch finden, das das Vampirreich zerstören könnte. Bis in kleinste Rollen mit bekannten Schauspielern wie Lars Eidinger, Karl Markovics, Andre Jung oder dem österreichischen ESC-Gewinner Conchita Wurst, der hier auch noch sein Gewinnerlied singt. Co-Autorin ist die berühmte Autorin Elfriede Jelinek, auch das eher ungewöhnlich. Der rundum gelungene Film startet im Herbst in den Kinos.

Bei den Dokumentarfilmen gab es neben einer unterhaltsamen Dokumentation über eine eingebildete Schwangerschaft und eine Kindesentführung, deren Kriminalfall auf Tatsachen basiert (der Netflix-Film Un hijo propioA child of my own von Maite Alberdi), der über weite Strecken ein mit Schauspielern nachgedrehter Film war, Tutu von Sam Pollard, einer Dokumentation über den südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu und seine Lebensgeschichte und Who killed Alex Odeh ? von Jason Osder und William Lafi Youmans, der die Ermordung eines palästinensischen Aktivisten und die jahrzehntelange Nichtbehandlung durch das amerikanische Rechtssystem, obwohl Spuren und Tatsachen vorlagen, auch den neuen Film der bekannten österreichischen Dokumentaristin Ruth Beckermann. In Wax & Gold reist sie erneut ins Hilton-Hotel Addis Ababa und zeigt das Hotel mit allen seinen Angestellten. Ende der 60er Jahre von Kaiser Haile Selassie eröffnet, hatte das Hotel eine lange Geschichte. Ruth Beckermann zeigt nichts Geringeres als die Geschichte des einstigen Hoffnungsträgers für Afrika und die Geschichte Äthiopiens. Auch bei den Mitternachtsfilmen gab es eine Dokumentation: The Ballad of Judas Priest von Sam Dunn und Tom Morello zeigt die Geschichte der Band in vielen Originalaufnahmen und Interviews in den 50 Jahren ihres Bestehens. Auch der Schauspieler und Musiker Jack Black kommt im Film mehrfach zu Wort.

Die beiden Horrorfilme Monster Pabrik Rambut (Sleep No More) von Edwin und Saccharine der Australierin Natalie Erika James lesen sie als längere Besprechungen.

Hier die Kritik (auf Französisch) von No Good Men

Harald Ringel, Berlin

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Harald Ringel

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