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lifestyle & responsible citizenship

Auteur : Dieter Wieczorek

Cinéma / KinoCulture / Kultur

The Son and the Sea von Stroma Cairns – Zwischen Abdriften und Rückkehr zu sich selbst

Als Jonah sich aufwachend einprägt „Dies wird ein guter Tag sein“ ist dies alles andere als eine Gewissheit. Er lebt in Bermondlay, dem ehemaligen Slum und heutigen Edelviertel Londons, und seine flashartig auftretenden Erinnerungen der letzten Nächte beschränken sich auf Trinkgelage und Discoszenerien. Jonah ist nicht der einzige junge Mann, der neben Beziehungsstress, Nervosität, latenter Aggressivität und permanenter Spottlust zirkuliert, die auch seinen treuen und einzigen Begleiter Lee (Stanley Brock) nicht verschont. Hinter seinem Gehabe verbirgt sich eine komplette Orientierungslosigkeit und Identitätsschwäche. In seiner lokalen Umgebung gibt es sogar einen Term hierfür: „Bermondlay Stutter“ (Stottern). Doch letztlich ist Jonah nur einer von vielen in westlichen Kulturnationen heranwachsenden der No-Future-Generation, die sich von Augenblick zu Augenblick hasten, zugleich fühlend, dass auch das nicht die Lösung ist. (…)

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Cannes 2026Cinéma / KinoCulture / Kultur

Cannes 2026 – Drei Kurzfilme bestechen in Quinzaine des cinéastes Selektion mit drei Formen der Realitätsüberschreitung

Kritik der sozialen Arbeitsbedingungen, surreale Sequenzen und eine poetisch existenzielle Bedeutungsebene zugleich zu aktivieren, ist Alexandra Matheou in ihrem Kurzfilm Free Eliza (Notes on a anatomical imperfection) gelungen. Eliza ist eine nicht mehr ganz junge Frau, die ihre repetitiven Arbeitsabläufe in einem Luxushotel verrichtet. (…)

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Cannes 2026Cinéma / KinoCulture / Kultur

Cannes 2026 – Aufrisse sozialer Spannungen und satirische Kulturkritik prägen Cannes Kurzfilmwettbewerb

Die Auswahl in Cannes Kurzfilm-Wettbewerb nimmt an Kohärenz zu. Nahezu alle Filme berühren Situationen oder Probleme sozialer oder politischer Signifikanz.
Am klarsten umgearbeitet in eine szenisch überzeugende Dramaturgie wäre hier das in serbisch-französisch-slowenisch-kroatischer Kollaboration entstandene Werk Nobody Said Anything der serbischen Filmemacherin Tamara Todorovic zu nennen. In ihrem 15-minütigen Werk lässt sie die Atmosphäre gespannter Familiensituationen in einem Ausbruch unkontrollierter Aggression kulminieren. (…)

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Cannes 2026Cinéma / KinoCulture / Kultur

Cannes 2026: Kulturelle Differenzen, dialogferne Institutionen und die Gewalt des Gesetzes

Das mit der Goldenen Palme von Cannes 2026 gekrönte Werk Fjord von Cristian Mungiu fragt nach der Dialogfähigkeit in sich zersplitternden Gesellschaften.
Wenn in der diesjährigen Cannes-Edition der gleiche Film mit der Goldenen Palme, dem FIPRESCI und dem Preis der Ökumenischen Jury sowie auch mit dem François-Chalais-Preis ausgezeichnet wird, erscheint die Frage unausweichlich, welches Schlüsselproblem unserer heutigen Kultur hier in überzeugender Weise behandelt wird. (…)

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Cannes 2026Cinéma / KinoCulture / Kultur

Cannes 2026 – Wettbewerb: Andreï Zviaguintsevs Minotaur – Variantenreiche Gewalt in einem totalitären System

Der russische Filmemacher Andreï Zviaguintsev ist seit der Honorierung seines Debutfilmes The Retour mit dem Goldenen Löwen Venedigs 2003 ein nicht seltener Gast und mehrfacher Preisträger in Cannes. Nach langer Covid-Erkrankung, behandelt in Deutschland, kehrte Zviaguintsev nach dem Angriff auf die Ukraine nicht mehr in sein Land zurück und lebt heute in Frankreich. Nach neun Jahren bringt er nun wieder einen Film nach Cannes.
Im Zentrum seines im Cannes-Wettbewerb präsentierten Film Minotaur steht ein erfolgreicher Mann mittleren Alters, Gleb (Dmitriy Mazurov), der zwei Probleme hat. Seine Frau geht fremd und gleichzeitig steht er als Unternehmenschef unter politischem Druck, der ihn abfordert, einen Teil seiner Belegschaft an die russisch-ukrainische Front abkommandieren zu lassen. Für beides findet er Lösungen, die viel Raum für ein russisches Ambiente lassen. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

VdR 2026 – Nahe des Hitzetodes: Heat von Jacqueline Zünd

Ein schriller, verzerrter Sound eröffnet Heat, Titel des Dokumentarfilmes der Schweizer Regisseurin Jacqueline Zünd. Im extremen Zoom sieht man die unscharfen Silhouetten zweier menschlicher Körper in einem verschleierten, möglicherweise von einem Sandsturm heimgesuchten Szenarium. Wir treten mit sinnlichem Nachdruck in einen von Hitzewellen überfluteten Lebensraum ein, der den Atem raubt. (…)

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Berlinale 2026Cinéma / KinoCulture / Kultur

Berlinale 2026 – Forum: Effondrement (Collapse) von Anat Even – Eine freie Stimme Israels

Auf der Berlinale 2026 wurde ein einzigartiges Werk des politischen Widerstandes präsentiert. Die Rhetorik des öffentlichen politischen Diskurses verwechselt strategisch systematisch „israelische Interessen“ mit den Interessen der Regierung Netanyahus. Dies gilt in beschämender Weise auch für ein Waffenlieferendes und Waffenkaufendes (!) mit Israel verbündetes Land wie Deutschland. Konsequenterweise werden pro-palästinensische Stellungnahmen unmittelbar als „antisemitisch“ gebrandmarkt. Das aktuell letzte ins Rampenlicht getretene Opfer dieser Strategien ist die Berlinale-Festivalleiterin Tricia Tuttle. Politische Interessen wollen jetzt die Freiheit der Meinungsäusserung einschränken und die politische Relevanz der Filme unter Kontrolle bringen: Sie wollen die lange Tradition des weltweit anerkannt politischsten Festivals der A-Kategorie brechen. Die Festivalleiterin soll gehen, weil der palästinensische Regisseur des preisgekrönten Werkes Chronicles From the Siege in seiner Rede während der Abschlussveranstaltung an die Mitverantwortung der Bundesrepublik an einem laufenden Völkermord erinnerte. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

IFFR 2026 – Hungrig (Hungry) von Susanne Brandstätter : Der programmierte Untergang der meisten Lebensformen

Das Rotterdamer Filmfestival ist nicht unbedingt der Ort, an dem man die brisantesten, globale Szenarien einbeziehende Dokumentarfilme zunächst vermuten würde. Doch Susanne Brandstätter präsentiert genau hier ein hoch detailliertes Werk, das mosaiksteinartig das Panorama des laufenden Untergangs der meisten Lebensformen unseres Planeten dechiffriert.
Grossbrände, Überflutungen, Hurrikans, Dürrekatastrophen und Ölteppiche sind nur die spektakulären, sichtbarsten Zeichen, die einen Zeitenwechsel indizieren. Doch Hungrig (Hungry) resümiert die weitaus umfassenderen, jedoch verborgenen Mechanismen der systematischen Umweltzerstörung und lässt eine Fülle von Wissenschaftlern unterschiedlichster Spezialisierungen zu Wort kommen, wie Pflanzenbiologen und Pflanzenphysiologen, Allgemein-, Pflanzen- und mikrobielle Ökologen, Ozeanologen, Botaniker, Biochemiker, Molekularbiologen, politische Ökonomen, als auch Spezialisten der nachhaltigen Nahrungsproduktion, sowie Juristen und Monopol- und Korruptionsexperten. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

IFFR 2026 – White Lies von Alba Zari: Die Suche nach sich selbst im Spannungsfeld der Familie

Rainer Maria Rilke schrieb in seinem Brief an einen jungen Dichter die – hier den Untertitel nach zitierten – Zeilen:

„Sei geduldig mit allem, das ungelöst ist in Deinem Herzen…Suche nicht nach Antworten, die Du nicht erhalten kannst…Lebe nun die Frage und vielleicht wirst Du eines Tages in der Antwort leben.“

Mit diesen Zeilen eröffnet Alba Zaris ihren Dokumentarfilm White Lies. Der Film erschliesst Schritt für Schritt deren Sinn. Zaris Werk verknüpft in überzeugender Weise eine sehr persönliche Geschichte, ihre Suche nach ihrem Vater, mit einer weitaus umfassenderen Frage nach der Bedeutung der Familie für die eigene Identität. (…)

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Cinéma / KinoCulture / Kultur

Outliving Shakespeare von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan – Der Theaterraum als Revitalisierung und Konfrontation mit sich

Inna Sahakyas und Ruben Ghazaryans Werk Outliving Shakespeare beginnt mit einer Nahansicht auf gealterte Haut, es folgt das Gemälde, das den Schrei einer Frau zeigt. Wir treten ein in den Kosmos eines armenischen Altersheimes mit vielen Defekten. Bereits mit einem Rollstuhl durch die schmale Tür des Fahrstuhls zu gelangen, ist eine anstrengende Aufnahme. In anderen Räumen sind übereinander gehäufte Möbelstücke und Spinnweben zu sehen. Eine Fülle von Katzen durchstreifen das Haus, aber erstaunlicherweise findet sich auch ein Sprachroboter, der für ein Minimum an Kommunikation sorgt. (…)

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