Das Arabische Filmfestival Berlin ALFILM feiert sein 10-jähriges Jubiläum – Mabrouk!

Es ist ein Festival, das wir seit seiner Gründung verfolgt haben: Welche intensiven Landschaften arabischer Kinos er uns seit seinen Anfängen bieten konnte! Und diese Jubiläumsausgabe wird spannend, engagiert, offen für thematische und kreative Vielfalt, kurz gesagt, im Einklang mit dem, was diese leidenschaftlichen ALFILM-Organisatoren mit der Qualität eines Festivals machen.

Das 10. ALFILM (3.-10 April 2019) präsentiert aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme, sowie auch Animationsfilme, abermals in den Kinos Arsenal, City Kino Wedding und Wolf Kino in Anwesenheit zahlreicher Gäste. Zwischen Europa und der arabischen Region reflektieren die Filme individuelle Schicksale und historische Einschnitte, und stellen Fragen nach Zukunft und Selbstverwirklichung. Als Special gibt es lange und kurze Filme zu sehen, die in der Zusammenarbeit zwischen deutschen und ägyptischen Regisseur*innen, Produzent*innen und u.a. Poet*innen entstanden sind.

Ein Schwerpunkt dieses Festivals ist Ägypten, das mit zwei Spielfilmen: Cannes-Überraschung Yomeddine und EXT. Night, der Dokufiktion Dreamaway sowie Kurzfilmen in deutsch-ägyptischer Koproduktion aus dem Programm lab/p – poetry in motion 3 vertreten ist. Dreamaway ist das Resultat der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem ägyptischen Regisseur Marouan Omara und der deutschen Regisseurin Johanna Domke und bereits ihr zweiter Film in Ko-Regie. Er entstand im Umfeld des Filmpreises der Robert Bosch Stiftung für internationale Zusammenarbeit.

Die Koproduktion mit der arabischen Welt ist ein weiteres Thema, das sich im Programm in verschiedener Form widerspielt, sowie die Öffnung des Festivals für engagierte Perspektiven nicht-arabischer Filmemacher*innen wie Mats Groruds mit seinem Animationsfilm The Tower oder der Dokumentarfilm Samouni Road des Italieners Stefano Savona.

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Eröffnet wird das Festival mit Yomeddine (A.B. Shawky, Ägypten 2018) In Anwesenheit des Regisseurs. Beshay ist nach dem Tod seiner Frau am Boden zerstört. Allein und auf sich gestellt beschließt er, sich endlich auf die Suche nach seiner Familie zu begeben. Er packt seine wenigen Habseligkeiten auf einen Eselskarren und verlässt die Lepra-Kolonie, in der er seit seiner Kindheit lebt. Der gewitzte nubische Waisenjunge Obama schließt sich ihm an und zusammen brechen sie auf eine Reise ins Ungewisse auf. Denn obwohl Beshay längst geheilt ist, ist er von Narben entstellt. Gemeinsam trotzen sie allen Widrigkeiten auf der Suche nach ihren Wurzeln und einer neuen Heimat. Das eindrücklich von Laiendarstellern gespielte Roadmovie wurde 2018 auf dem Filmfestival in Cannes uraufgeführt.
Kritik von FeP (auf Französisch).

Der Spielfilm Zagros (Sahim Omar Khalifa, Belgien 2017)erzählt die Flucht in ein neues Leben: Als Havin (Halima Ilter), die schwangere Frau des Schafhirten Zagros (Feyyaz Duman), von einigen Dorfbewohnern des Ehebruchs bezichtigt wird, verlässt sie die kurdischen Berge und flieht mit ihrer Tochter zu Verwandten nach Brüssel. Von ihrer Unschuld überzeugt, bricht Zagros mit seiner traditionellen Familie und folgt ihr. In Belgien hofft er auf ein neues Leben mit Frau und Tochter, doch bald schleichen sich Zweifel und Eifersucht in sein Herz. Nach drei preisgekrönten Kurzfilmen ist der auf dem Genter Filmfestival als bester Film ausgezeichnete ZAGROS das Langfilmdebüt des im Iraq geborenen belgischen Regisseurs. In Anwesenheit der Hauptdarstellerin und des Regisseurs.
Kritik von MaB (auf Französisch).

Les Bienheureux / The Blessed (Sofia Djama, Frankreich/Belgien 2017) – in Anwesenheit der Regisseurin –

ist in Algier wenige Jahre nach Ende des Bürgerkriegs angesiedelt: In einem bürgerlichen Viertel wollen Amal (Nadia Kaci) und Samir (Sami Bouajila) ihren 20. Hochzeitstag feiern. Die Fahrt zum Restaurant wird zu einer ernüchternden Reise in die Realität für das Mittelklasse-Paar, das die politischen Ideale seiner Jugend verraten sieht. Unterdessen beginnt für ihren Sohn Fahim und seine Freunde Feriel und Reda eine abgründige Episode ihrer Jugend in einem von Ideologien und Gewalt zerfressenen nächtlichen Algier. Sofia Djama schrieb nach eigenen Kurzgeschichten selbst auch das Drehbuch für ihren beeindruckenden Debütfilm, der im Festival von Venedig premierte.

Exterior/Night (Ahmad Abdalla, Ägypten/VAE 2018, 98 Min., Arab. mit engl. UT). In Anwesenheit des Regisseurs.

Der aufstrebende junge Regisseur Moe (Karim Kassem) steckt in einer existentiellen Krise – sein Film ist unterfinanziert, seine Freunde werden verhaftet und seine Herzensprojekte lassen sich nicht realisieren. Eine Taxifahrt durch Kairo wird für ihn zum Augenöffner und er lernt eine andere Seite der Stadt kennen. Zusammen mit der schlagfertigen Prostituierten Toutou (Mona Hala) und dem cholerischen Taxifahrer Mostafa (Sherif El Desouky) gelingt es ihm, aus seiner Blase auszubrechen, auch wenn er zunächst hart auf dem Asphalt des nächtlichen Molochs landet. Auch in seinem fünften Langspielfilm porträtiert Abdalla das Ringen junger Künstler um Ausdruck und Wahrheit.

In dem essayistischen Dokumentarfilm Erased,___Ascent of the Invisible (Ghassan Halwani, Libanon 2018)

sucht Regisseur Halwani nach einem Mann, der vor 35 Jahren in Beirut entführt wurde und seitdem verschwunden ist. Vor 10 Jahren tauchte sein Gesicht auf der Straße wieder auf, doch war es derselbe Mann? Halwani setzt verschiedene künstlerische und investigative Mittel bei der Suche ein und legt an Wänden, Dokumenten und in der städtischen Architektur Schicht für Schicht die dunkelsten Kapitel der libanesischen Geschichte frei. Dabei findet er die Gesichter von anderen „Verschwundenen“ und stellt Fragen nach Wahrheit und Aufarbeitung heute.

 

ALFILM präsentiert den Animationsfilm The Tower des norwegischen Regisseurs Mats Grorud, der die Geschichte der 11-jährigen Wardi, die in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon lebt, erzählt. Der Film ist ein Resultat aus Animationsworkshops, die Grorud in Bourj el-Barajneh durchführte.

Dieses Jahr ist zudem eine saudische Komödie – Amra and the Second Marriage – von Mahmoud Sabbagh im Programm, die die Situation von Frauenrechten in Saudi Arabien mit komischer Überspitzung zeichnet.
Kritik von MaB (auf Französisch).

Weitere Kritiken:

Sofia von Meryem Benm’Barek – FeP (auf Französisch)
Regarde-moi (Look at me) von Nejib Belkadhi – MaB (auf Französisch)
Les Bienheureux (The Blessed) von Sofia Djama – MaB (auf Französisch)

Und natürlich ist ein Jubiläum etwas zu feiern! Am Samstag den 6.4. ab 22 Uhr im ACUD mit Colonel Abu Diab (Damaskus/Berlin), Hiba Salameh (Haifa), Amr Hammer (Gayhane) (Alexandria/ Berlin) mit einer live Percussion-Performance von Ali Hasan aka Nar (Damaskus/ Berlin), Moji (Teheran/Berlin) und Jazar Crew (Haifa/Berlin).

Das komplette Festivalprogramm mit ausführlichen Informationen : www.alfilm.de.

Malik Berkati

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